1&1 kämpft um Frequenzen und baut 5G-Netz trotz Telefónica-Krise aus
Lotta Schulte1&1 kämpft um Frequenzen und baut 5G-Netz trotz Telefónica-Krise aus
Der deutsche Telekommunikationsanbieter 1&1 verschärft seinen juristischen Kampf gegen die Bundesnetzagentur wegen der Vergabe von Mobilfunkfrequenzen. Das Unternehmen wirft der Behörde vor, das aktuelle System sei wettbewerbsfeindlich und schließe es vom Zugang zu wichtigen Frequenzbändern aus. Unterdessen deutet der Konkurrent Telefónica einen möglichen Rückzug vom deutschen Markt wegen finanzieller Belastungen an.
1&1 treibt unterdessen den Ausbau seines eigenen 5G-Netzes voran, lehnt Übernahmeangebote ab und setzt auf den Ausbau der Infrastruktur.
Das Unternehmen positioniert sich klar gegen die Entscheidung der Bundesnetzagentur, bestimmte Mobilfunkfrequenzen nicht zu versteigern. 1&1 argumentiert, das aktuelle Vergabeverfahren benachteilige das Unternehmen unfair und begrenze so den Wettbewerb im Sektor. Vorstandschef Ralph Dommermuth wies zudem Spekulationen zurück, wonach 1&1 seine Mobilfunksparte an Telefónica verkaufen könnte. Stattdessen betonte er, das Unternehmen werde nicht dauerhaft zum bloßen Wiederverkäufer der Kapazitäten anderer Anbieter werden.
Mit Hochdruck treibt 1&1 den Ausbau seines 5G-Netzes voran: Bis Ende 2022 waren bereits über 27 Prozent der deutschen Haushalte abgedeckt. Geplant ist der Aufbau von fünf neuen Mobilfunkmasten pro Tag, um die Netzabdeckung weiter zu verbessern. Aktuell betreibt 1&1 rund 2.000 Sendestationen bundesweit – im Vergleich zu 36.000 bei der Deutschen Bahn und 27.000 bei Vodafone.
Für den Netzausbau arbeitet 1&1 mit mehr als 100 Partnern zusammen, wobei 50 Prozent der Komponenten aus Deutschland, 40 Prozent aus Europa und 10 Prozent weltweit bezogen werden. Bewusst verzichtet das Unternehmen auf die dominanten chinesischen Hersteller und setzt stattdessen auf eine diversifizierte Lieferkette.
Telefónica Deutschland steht unterdessen vor eigenen Herausforderungen. Der Betreiber der Marke O₂ hat im Rahmen einer großen Vereinbarung mit 1&1 über 12 Millionen Kunden verloren. Zudem verließ der langjährige Vorstandsvorsitzende Markus Haas das Unternehmen, sodass die Geschäftsführung nun in neuen Händen liegt. Der neue Konzernchef Marc Mutra hat sogar einen möglichen Rückzug aus Deutschland angedeutet – begründet mit hartem Preiskampf und schrumpfenden Gewinnmargen.
1&1s juristische Auseinandersetzung und der konsequente Netzausbau unterstreichen den Willen des Unternehmens, sich als unabhängiger Akteur im deutschen Mobilfunkmarkt zu behaupten. Die Weigerung, an Telefónica zu verkaufen, sowie der Fokus auf Infrastrukturinvestitionen heben 1&1 von der Konkurrenz ab. Für Telefónica hingegen werfen finanzielle Engpässe und Führungswechsel Fragen nach der langfristigen Präsenz in Deutschland auf.