35 Jahre Geisterparade: Köln feiert mit Protest gegen Wohnungsnot und spektakulären Kostümen
Lotta Schulte35 Jahre Geisterparade: Köln feiert mit Protest gegen Wohnungsnot und spektakulären Kostümen
Kölner Geisterparade feiert 35. Jubiläum mit Protest und Fest
Die Kölner Geisterparade hat ihr 35-jähriges Bestehen mit einer lebendigen Mischung aus Protest und Feier begangen. Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand die Wohnungsnot in der Stadt, die Tausende Teilnehmer in kreativen Kostümen auf die Straße lockte. Der Umzug verband politischen Aktivismus mit festlichen Traditionen und endete mit Musik und Feuerfässern auf dem Odonien-Gelände.
Eröffnet wurde die Parade von Erich Hermans, verkleidet als Ähzebär, der mit einem selbstgebastelten Rummelpot-Instrument die Prozession anführte. Hermans hatte die Geisterparade 1991 als Demonstration gegen den Golfkrieg ins Leben gerufen und gründete 1993 gemeinsam die Aktivistengruppe Ähzebär un Ko e.V.
Das politische Motto in diesem Jahr – "Allerhööchste Zick för en andere Wohnungspolitik – mer können nit all em Dom schlofe" (Höchste Zeit für eine andere Wohnungspolitik – wir können nicht alle im Dom schlafen) – gab den Ton an. Viele Teilnehmer trugen Kostüme, die die Wohnungsmisere symbolisierten: Häuser auf dem Kopf oder Outfits mit der Aufschrift "Miethai" (Mietwucherer). Andere hielten Schilder hoch, auf denen sie gegen explodierende Mieten und unbezahlbare Lebensverhältnisse protestierten.
Neben den politischen Botschaften prägten fantasievolle Elemente wie die Schnappviecher (Schnapptiere) oder ein riesiger Plastikflaschen-Oktopus, der auf Umweltprobleme aufmerksam machte, das Bild der Parade. Traditionelle Geisterfiguren – Hexen, Totenschädel, Seeungeheuer und mythische Fabelwesen – füllten ebenfalls die Straßen. Die Veranstaltung blieb für alle offen und ermöglichte es den Menschen, sich einer Sache anzuschließen, während sie gemeinsam feierten.
Nach einem Umzug durch die Kölner Innenstadt endete der Zug auf dem Odonien-Gelände, wo sich die Menge um Feuerfässer, Livemusik und Kunstinstallationen versammelte. Die Feier markierte zugleich einen Protest und einen Meilenstein für die langjährige Tradition.
Die 35. Geisterparade vereinte Aktivismus mit Spektakel und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Wohnungsfrage, ohne ihren festlichen Charakter zu verlieren. Tausende beteiligten sich, nutzten Kostüme und Kreativität, um ihre Anliegen hörbar zu machen. Der Abend klang mit einem gemeinsamen Fest aus und unterstrich damit die Doppelfunktion der Parade als Protest und kulturelles Ereignis.