Angélica Liddells provokante Performance Seppuku feiert in Wien Premiere
Lotta SchulteAngélica Liddells provokante Performance Seppuku feiert in Wien Premiere
Angélica Liddells neueste Performance Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben hatte bei den Wiener Festwochen Premiere. Die zweistündige Produktion setzt sich mit dem Thema Suizid auseinander und lässt sich vom japanischen Schriftsteller Yukio Mishima sowie einer persönlichen Tragödie inspirieren, die Liddell in Madrid miterlebte.
Im Mittelpunkt der Aufführung steht die Nachstellung von Mishimas rituellem Selbstmord, inszeniert vor einem goldenen Hintergrund, der an einen japanischen Tempergarten erinnert. Liddell und ein weiterer Darsteller lassen sich Blut abnehmen, das sie anschließend auf eine Leinwand spritzen – ein zentrales Element der Performance.
Liddells Ensemble Atra Bilis Teatro sammelte Kleidungsstücke Verstorbener, die auf der Bühne getragen werden. Indem sie deren Gewänder anlegt, schlüpft sie in ihre Rollen und erzählt von ihren Todesgeschichten. Die Inszenierung verbindet düstere Momente mit schwarzem Humor, etwa wenn ein sich selbst bewundernder Bodybuilder von sich entkleidenden jungen Männern umgeben wird.
Die Performance weist Parallelen zu Mythen des Alltags auf, einem weiteren Werk Liddells, das ebenfalls bei den Wiener Festwochen uraufgeführt wurde. Den Höhepunkt bildet eine ekstatische Rechtfertigung des Suizids, in der sie die Schicksale Fremder mit Mishimas eigenem Ende verknüpft.
Gepägt ist das Stück von Liddells Erlebnis, als sie in Madrids Gran Vía mitansah, wie sich eine Frau in den Tod stürzte. Durch Kleidung, Blut und Nachstellungen erkundet sie das Leben jener, die sich für den Freitod entschieden. Nun wurde die Produktion dem Publikum der Wiener Festwochen präsentiert.






