Atomstreit spaltet Union und SPD: Soll Deutschland zur Kernenergie zurückkehren?
Johanna PetersUnion und SPD zerstritten über Rückkehr zur Kernenergie - Atomstreit spaltet Union und SPD: Soll Deutschland zur Kernenergie zurückkehren?
Ein neuer Streit über die Atomkraft entzündet sich zwischen der deutschen Unionsparteien und der SPD. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Kernenergie wieder eingeführt werden soll – die CSU drängt auf den Einsatz kleiner modularer Reaktoren (SMR), obwohl Deutschland 2023 aus der Atomkraft ausgestiegen ist. Die Debatte droht nun, mögliche Koalitionsgespräche zwischen den Lagern zu erschweren.
Die von Markus Söder geführte CSU fordert den Bau neuer Atomkraftwerke und verweist dabei auf Kanadas Arbeit an SMR als Vorbild. Doch eine Anfrage der Grünen ergab, dass die einzige relevante Anlage Kanadas ein 67 Jahre alter Forschungsreaktor ist – kein kommerzielles Kraftwerk. Ehemalige Atomkraftbetreiber wiesen zudem darauf hin, dass Kernenergie mit bis zu 49 Cent pro Kilowattstunde nach wie vor die teuerste Stromquelle bleibt.
Technische Hürden erschweren die Pläne zusätzlich. Es gibt keine ausgereifte Massenproduktionsindustrie für SMR, lediglich Prototypen laufen in Russland und China. Experten schätzen, dass mindestens 3.000 Einheiten nötig wären, um kostendeckend zu arbeiten – doch Sicherheitsfragen bleiben trotz jahrzehntelanger Forschung ungelöst. Auch regulatorische Hindernisse stehen im Weg: Der Atomausstieg 2023 blockiert die kommerzielle Nutzung, und innerhalb der nächsten fünf Jahre sind keine gesetzlichen Anpassungen für SMR zu erwarten.
CSU-Generalsekretär Martin Huber argumentiert, Deutschland müsse "technologische Offenheit" und Grundlastkapazitäten – einschließlich SMR – annehmen, um wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu bleiben. Er warnt, die aktuellen Energiepreise untergrüben Branchen wie KI und Digitalisierung. Doch SPD-Umweltminister Carsten Schneider wies Atomkraft als "extrem riskant" und undurchführbar zurück – in direkter Opposition zu CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die sich für SMR starkmacht.
Bei den jüngsten Koalitionsverhandlungen fanden CDU, CSU und SPD keine gemeinsame Linie zur Rückkehr zur Atomkraft. Die Blockade offenbart tiefere Gräben in der Frage der künftigen deutschen Energiestrategie.
Die CSU wirbt weiterhin für SMR, doch rechtliche, technische und politische Hindernisse bleiben ungelöst. Ohne Einigung zwischen Union und Sozialdemokraten könnte das Thema die breiten Koalitionsverhandlungen ausbremsen. Der 2023 vollzogene Atomausstieg prägt nach wie vor die Debatte über die Energiepolitik Deutschlands.






