Deutsche Bahn vergibt Milliardenauftrag – und entfacht Streit um Sicherheit und China-Abhängigkeit
Philipp LangeDeutsche Bahn vergibt Milliardenauftrag – und entfacht Streit um Sicherheit und China-Abhängigkeit
Die Deutsche Bahn hat einen Großauftrag für elektrische Überlandbusse vergeben und das Geschäft zwischen europäischen und chinesischen Herstellern aufgeteilt. Der Löwenanteil des Auftrags – rund 95 Prozent – ging an den deutschen Hersteller MAN, während ein kleineres Los von knapp 200 Bussen an den chinesischen Konzern BYD vergeben wurde. Die Entscheidung hat eine Debatte über Kosten, Sicherheitsrisiken und die industrielle Zukunft Europas ausgelöst.
Der Vertrag wurde im Juli 2024 unterzeichnet, wobei auch der niederländische Hersteller VDL Bus & Coach einen Teil des Auftrags erhielt. BYDs Erfolg bei der Ausschreibung war vor allem auf die geringeren Gesamtbetriebskosten im Vergleich zu den Konkurrenzangeboten zurückzuführen.
Kurz nach der Bekanntgabe kamen jedoch Sicherheitsbedenken auf. Politiker wie Konstantin von Notz und Roderich Kiesewetter sowie IT-Sicherheitsexperten warnten vor möglichen Risiken durch BYDs Technologie. Berichte aus Oslo hatten zuvor nahegelegt, dass bestimmte chinesische Fahrzeugmodelle Fernzugriffe ermöglichen könnten. Kritiker äußerten insbesondere Befürchtungen über einen sogenannten "Kill Switch", der Busse per Software lahmlegen könnte. BYD wies diese Vorwürfe entschlossen zurück. Das Unternehmen verwies auf internationale Vorschriften und betonte, dass seine Fahrzeuge über keine Fernabschaltfunktion verfügten. Die Deutsche Bahn wiederum wies die Sicherheitsbedenken kategorisch zurück. Unternehmensvertreter erklärten, alle Busse entsprächen den strengen deutschen Zertifizierungsstandards.
Die Vergabe hat zudem die Diskussion über die europäische Industriepolitik neu entfacht. Einige Beobachter sehen in dem Auftrag strukturelle Schwächen des europäischen Produktionssektors bestätigt. Kritiker fordern eine stärkere Förderung heimischer Hersteller, um die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern zu verringern.
Der Deal wird nun umgesetzt: MAN liefert den Großteil der Busse, während BYD den kleineren Auftrag erfüllt. Die Deutsche Bahn betont, dass alle Fahrzeuge die Sicherheits- und Zertifizierungsvorgaben erfüllten. Die Debatte zeigt jedoch die anhaltenden Spannungen zwischen Kosteneffizienz, Sicherheit und der industriellen Eigenständigkeit Europas auf.