Deutschland setzt auf Gas – doch Klimaziele geraten unter Druck
Bundeswirtschaftsministerium stellt Pläne für Umgestaltung der Energiestrategie vor
Das deutsche Wirtschaftsministerium hat Pläne zur Neuausrichtung der Energiepolitik des Landes vorgestellt. Die Vorschläge umfassen den Bau neuer Gaskraftwerke, Änderungen bei den Subventionen für erneuerbare Energien sowie Maßnahmen zur Entlastung der Stromnetze. Kritiker bemängeln, dass die Regierung trotz Klimasorgen weiterhin auf Gas setzt.
Die von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche vorangetriebenen Entwürfe sehen zudem eine Quote für „grünes Gas“ vor, um die bestehende Gasinfrastruktur weiter zu nutzen. Geplant ist der Bau von Gaskraftwerken mit einer Leistung von 12 Gigawatt ab 2026. Diese Anlagen sollen die erneuerbaren Energien ergänzen, werfen jedoch Fragen nach den langfristigen Klimazielen auf. Gas, oft als Brückentechnologie bezeichnet, setzt Methan frei – ein Treibhausgas, das weit schädlicher ist als CO₂.
Gleichzeitig könnten die Förderungen für kleine Solaranlagen bis 2027 auslaufen. Das Ministerium begründet dies mit Netzengpässen in einigen Regionen. In Gebieten mit besonders starken Kapazitätsproblemen könnten strengere Grenzen eingeführt werden, was die Einspeisung erneuerbarer Energien ins Netz einschränken würde.
Die Netzprobleme führen bereits jetzt zu teuren Umgehungslösungen. Reserve-Gaskraftwerke werden häufig im Rahmen von Redispatch-Maßnahmen aktiviert, was die Kosten in die Höhe treibt. Der Ministeriumsentwurf sieht zudem eine Quote für grünes Gas vor, die es ermöglicht, Wasserstoff und Biogas in die bestehenden Pipelines einzuspeisen. Damit soll die Gasinfrastruktur weiter genutzt werden, während gleichzeitig die Emissionen sinken.
Neben den inländischen Änderungen hat Deutschland seine Flüssiggasimporte (LNG) ausgeweitet – die Lieferungen aus den USA stiegen im vergangenen Jahr um 60 Prozent. Zudem wurden neue langfristige Gaslieferverträge abgeschlossen. Gleichzeitig signalisieren Pläne zur Steigerung der heimischen Förderung, darunter Bohrungen vor der Insel Borkum, den Willen nach größerer Energieunabhängigkeit.
Reiches Vergangenheit steht indes in der Kritik. Vor ihrer politischen Laufbahn leitete sie die Westenergie AG und war Geschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), die beide eng mit der Gasbranche verbunden sind.
Die geplanten Regelungen würden den Bau von Gaskraftwerken beschleunigen, während die Unterstützung für kleine Solaranlagen zurückgefahren wird. Netzengpässe und die Quote für grünes Gas deuten auf eine Strategie hin, die erneuerbare Energien mit fossilen Brennstoffen kombiniert. Die Änderungen spiegeln sowohl die Priorität der Versorgungssicherheit als auch die Herausforderungen der Dekarbonisierung wider.






