Deutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Vertragsverletzungsverfahren
Philipp LangeDeutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Vertragsverletzungsverfahren
Deutschland verpasst EU-Frist für neue Lohntransparenzgesetze
Deutschland hat die von der EU gesetzte Frist für die Umsetzung neuer Regeln zur Lohntransparenz verpasst. Stand Montag, dem 10. Juni 2026, verstößt das Land damit weiterhin gegen EU-Recht. Die Vorschriften sollen die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede bekämpfen, indem sie Arbeitnehmern mehr Rechte auf Informationen über Gehälter einräumen.
Die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz hätte bis Juni 2026 in deutsches Recht überführt werden müssen. Nach den neuen Bestimmungen können Beschäftigte künftig Auskunft über die durchschnittlichen Verdienste für vergleichbare Positionen verlangen – aufgeschlüsselt nach Geschlecht. Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern müssen zudem regelmäßig Berichte über ihre geschlechtsspezifischen Entgeltlücken veröffentlichen.
Auch für Arbeitgeber ergeben sich zusätzliche Pflichten: Sie müssen künftig in Stellenausschreibungen die Einstiegsgehälter angeben und dürfen Bewerber nicht mehr nach ihren vorherigen Einkünften fragen. Die Europäische Kommission hat bereits gewarnt, dass die Verzögerung Deutschlands ein Vertragsverletzungsverfahren nach sich ziehen könnte.
Mit der Umsetzung rechnet die Bundesregierung nun frühestens Anfang 2027 – fast ein Jahr später als vorgesehen. Die ersten Berichtspflichten für Unternehmen und die neuen Auskunftsrechte für Beschäftigte sollen dann im Juni 2028 in Kraft treten. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Frauen in Deutschland im Schnitt 15,6 Prozent weniger pro Stunde verdienen als Männer – ein höherer Wert als der EU-Durchschnitt von 11,1 Prozent.
Durch die verpasste Frist riskiert Deutschland nun rechtliche Schritte seitens der EU. Sobald die Regeln gelten, müssen Unternehmen Lohnungleichheiten offenlegen und dürfen keine Fragen mehr zur Gehaltshistorie stellen. Arbeitnehmer erhalten so bessere Einblicke in eine faire Bezahlung – unabhängig vom Geschlecht.






