Ex-Obama-Berater warnt: Europa muss sich von den USA emanzipieren
Johanna PetersEx-Obama-Berater warnt: Europa muss sich von den USA emanzipieren
Peter Orszag, Vorstandsvorsitzender von Lazard und ehemaliger Berater der US-Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton, hat Europa aufgefordert, seine Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern. In einer Stellungnahme zu geopolitischen Verschiebungen warnte er, dass Europa Gefahr laufe, in einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft an den Rand gedrängt zu werden. Seine Äußerungen bezogen sich auch auf Bedenken hinsichtlich der US-Wirtschaftspolitik unter Donald Trump und die Notwendigkeit stärkerer europäischer Bündnisse.
Orszag verwies auf die wachsende Zersplitterung des globalen Handels und schlug vor, Europa solle einen Beitritt zur asiatischen Freihandelszone prüfen. Ein solcher Schritt, so seine Argumentation, würde dem Kontinent helfen, Isolation zu vermeiden, während sich wirtschaftliche Blöcke immer deutlicher voneinander abgrenzen. Seine Aussagen fallen in eine Phase, in der die Europäische Union weiterhin auf langfristige Vertiefung der Integration setzt – von der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1952 über den Maastrichter Vertrag von 1992 bis hin zu jüngeren Initiativen wie "EU Inc.", mit denen die EU im Wettbewerb mit den USA und China bestehen will.
Kritisch äußerte sich Orszag auch zu Trumps wirtschaftspolitischem Ansatz, den er als "diskretionären Staatskapitalismus" bezeichnete. Unter Trump hatte die US-Regierung direkte Beteiligungen an privaten Unternehmen erworben – ein seltener und umstrittener Schritt. Orszag räumte zwar ein, dass Kontrollmechanismen bestünden, diese jedoch schwächer ausfielen, als viele es für wünschenswert hielten. Das System der Checks and Balances, so Orszag weiter, habe während Trumps Amtszeit an Wirksamkeit verloren.
Über den Handel hinaus begrüßte Orszag den Vorschlag des kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau für ein Bündnis der "Mittelmächte". Eine solche Allianz, so Orszag, könnte Europa und anderen Nationen mehr Einfluss in einer von Supermächten dominierten Welt verschaffen. Lazard, wo Orszag heute an der Spitze steht, hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend auf geopolitische und regulatorische Herausforderungen konzentriert.
Orszags Warnungen spiegeln die breiten Sorgen um Europas wirtschaftliche Zukunft wider. Sein Plädoyer für mehr Unabhängigkeit und mögliche Handelsverbindungen nach Asien knüpft an Jahrzehnte der EU-Integration an, die auf die Überwindung innerer Spaltungen abzielte. Gleichzeitig unterstreicht seine Kritik an Trumps Politik die anhaltenden Debatten über staatliche Wirtschaftseingriffe der USA und deren globale Auswirkungen.






