Falsche Gruppenvergewaltigung auf dem Oktoberfest entlarvt – wie eine Lüge viral ging
Lotta SchulteFalsche Gruppenvergewaltigung auf dem Oktoberfest entlarvt – wie eine Lüge viral ging
Eine falsche Behauptung über eine Gruppenvergewaltigung auf dem Oktoberfest verbreitete sich nach der Meldung einer sexuellen Belästigung durch eine US-Amerikanerin rasant im Internet. Der von Truth24 veröffentlichte Artikel behauptete, ein "afrikanischer Mob" habe die Frau angegriffen – doch die Polizei fand keinerlei Belege für die Vorwürfe.
Der Beitrag wurde in sozialen Medien über 1.700 Mal auf Facebook geteilt. Später stellten die Behörden klar, dass der Vorfall nicht den Darstellungen des Mediums entsprach.
Die Münchner Polizei hatte zunächst eine Anzeige einer 30-jährigen US-Amerikanerin aufgenommen, die angab, nach dem Oktoberfest sexuell belästigt worden zu sein. Die Umstände blieben jedoch unklar, da sie sich nicht an den Vorfall erinnern konnte und eine medizinische Untersuchung ablehnte. Die Staatsanwaltschaft München bestätigte später, dass es keine Hinweise auf eine Vergewaltigung oder einen Vergewaltigungsversuch gebe.
Truth24 veröffentlichte unter der Schlagzeile "Gruppenvergewaltigung nach der Wiesn" einen Artikel, in dem von einem "afrikanischen Mob" als Tätern die Rede war. Das Portal verwendete zudem den Begriff "Vergewaltigungsübergriffe" – eine Kategorie, die in der offiziellen Kriminalstatistik nicht existiert. Polizeidaten aus dem Jahr 2017 zeigten keine Belege dafür, dass Afrikaner oder Muslime die Haupttäter bei Gruppenvergewaltigungen gewesen wären.
In jenem Jahr waren die am häufigsten vertretenen Nationalitäten bei Gruppenvergewaltigungen deutsch, afghanisch, türkisch, eritréisch und syrisch. Zwar waren 54,8 Prozent der Tatverdächtigen nicht deutsch, doch stellten Deutsche fast die Hälfte aller Verdächtigen. Seit 2018 erfasst das Bundeskriminalamt (BKA) Vergewaltigungsdelikte nach einem überarbeiteten rechtlichen Rahmen und führt Fälle mit mehreren Tätern unter "Vergewaltigung – mehrere Täter" statt unter dem veralteten Begriff "Gruppenvergewaltigung".
Die Staatsanwaltschaft München wies den Vorwurf der Gruppenvergewaltigung mangels Beweisen zurück. Die offiziellen Statistiken von 2017 widerlegten zudem die Behauptungen von Truth24 über die Nationalitäten der Täter. Der Fall zeigt, wie sich ungeprüfte Berichte online rasant verbreiten können, bevor die Fakten geklärt sind.






