Flughafen Nürnberg kämpft mit neuem Preismodell gegen Passagier-Einbruch und Lufthansa-Konkurrenz
Johanna PetersFlughafen Nürnberg kämpft mit neuem Preismodell gegen Passagier-Einbruch und Lufthansa-Konkurrenz
Flughafen Nürnberg (NUE) passt sich an tiefgreifende Veränderungen in der Nachfrage nach Flugreisen an, nachdem die Pandemie im vergangenen Oktober zu einem drastischen Rückgang des Passagieraufkommens um 83,2 Prozent geführt hatte. Die Krise hat den Wettbewerb neu geordnet: Die traditionelle Vorherrschaft der Lufthansa gerät unter Druck, da der Urlaubsreiseverkehr schneller wieder an Fahrt aufnimmt als die Geschäftsreisen.
Vor COVID-19 profitierte der NUE vor allem von Geschäftsreisenden, doch die Pandemie traf die Full-Service-Airlines besonders hart. Noch vor der Krise hatte der Flughafen seinen Markt als "blauen Ozean" beschrieben – einen Bereich mit kaum direktem Wettbewerb in den vergangenen fünf Jahren. Angesichts der nachlassenden Nachfrage nach Zubringerflügen zu Drehkreuzen stellt sich nun die Frage, ob die Lufthansa ihre starke Position halten kann.
Um Airlines in unsicheren Zeiten zu gewinnen, bildete der NUE eine Taskforce, die die Gebührenstruktur neu gestalten sollte. Herausgekommen ist das Anreizprogramm "Blue Ocean Lifeline", das Fluggesellschaften helfen soll, fixe Kosten in volatilen Saisonzeiten zu vermeiden. Ab Sommer 2021 stellt der Flughafen auf ein nutzungsbasiertes Abrechnungssystem um: Airlines zahlen dann nur noch für die Infrastruktur, die sie tatsächlich in Anspruch nehmen.
Unterdessen konzentriert sich die Lufthansa auf die Verteidigung ihrer Drehkreuze in Frankfurt und München, wo der Wettbewerb weiterhin intensiv bleibt. Der NUE rechnet mit einer schnellen Erholung im Urlaubs- und VFR-Reiseverkehr (Besuche bei Freunden und Verwandten), insbesondere in Richtung Italien, Griechenland und Osteuropa. Die Pläne der Lufthansa, ihr Angebot an mittelstrecken Urlaubsflügen auszubauen, könnten den Konkurrenzdruck in Nürnberg zusätzlich erhöhen.
Die Debatte um die Umweltverträglichkeit kurzer Inlands-Zubringerflüge in Deutschland fügt der Unsicherheit eine weitere Ebene hinzu. Während sich die Nachfragemuster verschieben, positioniert sich der NUE, um von den Veränderungen zu profitieren.
Das neue Preismodell des Flughafens soll Airlines durch die instabilen Phasen der Erholung unterstützen. Man erwartet ein starkes Wachstum auf Urlaubsrouten, während die Fokussierung der Lufthansa auf ihre Hauptdrehkreuze Raum für neue Wettbewerber lässt. Wie sich diese Entwicklungen auswirken, hängt letztlich von der ReiseNachfrage und den laufenden Diskussionen über Nachhaltigkeit ab.






