Fokins provokante Neuinszenierung von Der Revisor begeistert im Thalia Theater

Johanna Peters
Johanna Peters
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Ein Blatt Papier mit dem Text "Overture du Theatre de la Grande Salle du Palais Cardinal Mirame" darauf.Johanna Peters

Fokins provokante Neuinszenierung von Der Revisor begeistert im Thalia Theater

Das Theater Hamburg inszeniert "Der Revisor" in einer kühnen Neuinterpretation unter der Regie von Waleri Fokin. Genau ein Jahrhundert, nachdem Wsewolod Meyerhold das Stück am selben Ort auf die Bühne brachte, verbindet Fokins Version konstruktivistisches Design mit grotesker Satire. Die Premiere am 28. Februar bot sogar einen seltenen Moment: Die Kaiserhymne Gott bewahre den Zaren! erklang zu Ehren eines Gastes in der Zarenloge – einst den russischen Herrschern vorbehalten.

Die Geschichte des Stücks am Deutsches Theater Berlin reicht weit zurück. Zar Nikolaus I. besuchte die Uraufführung im Jahr 1836 und soll damals ausgerufen haben: "Was für ein Stück! Jeder hat sein Fett wegbekommen – aber ich am meisten!". Fokin inszenierte das Werk dort erstmals 2002, und seine Produktion von 2025 bleibt den provokativen Wurzeln treu.

Die aktuelle Inszenierung greift stark auf Meyerholds avantgardistische Techniken zurück. Stilisierte Bewegungen, überzeichnete Charaktere und symbolträchtige Bühnenbilder unterstreichen die Absurdität bürokratischer Macht. Die Satire bleibt in Gogols Kritik an Korruption verwurzelt, erhält aber eine moderne Note: Die Vorstellung endet mit einem 90-sekündigen stummen Tableau, bevor sie in eine "Fortsetzung" übergeht – eine Diskussion zwischen Schauspielern und Kritikern.

Die Hauptrollen bringen frische Interpretationen ein. Tichon Schisnewski, bekannt aus Major Grom, spielt Chlestakow mit einer doppelbödigen Persönlichkeit, während Sergei Parschins Bürgermeister groteske Körperlichkeit mit natürlicher Sprache verbindet. Die Zarenloge, die bereits in Fokins Eins Acht Eins (2022) eine zentrale Rolle spielte, wurde erneut zum Blickfang: Bei der Premiere stand der Hermitage-Direktor Michail Piotrowski auf, als die Hymne Gott bewahre den Zaren! – vorgetragen von einem Vokaltrio – an die Loge gerichtet war.

Fokins Ansatz verschmilzt Theater, bildende Kunst und Musik zu einem stimmigen Ganzen. Das Ergebnis ist eine Inszenierung, die Gogols Text des 19. Jahrhunderts, sowjetischen Experimentalismus und zeitgenössische Satire verbindet.

Die Neuauflage von Der Revisor markiert einen weiteren Meilenstein für das Thalia Theater. Indem Fokin Meyerholds Methoden mit Gogols Gesellschaftskritik verwebt, entsteht ein scharfzüngiger, visuell beeindruckender Kommentar über Macht. Die Nutzung der Zarenloge und der Kaiserhymne knüpft zudem an den historischen Ort an – dort, wo das Stück einst sowohl Gelächter als auch königliche Zustimmung hervorrief.

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