Fürths Oberbürgermeister Jung kämpft mit Haushaltskrise und fordert SPD-Reformen
Johanna PetersFürths Oberbürgermeister Jung kämpft mit Haushaltskrise und fordert SPD-Reformen
Fürths langjähriger Oberbürgermeister Thomas Jung steht erstmals seit über einem Jahrzehnt vor finanziellen Herausforderungen. Die Stadt, einst ein Vorbild für wirtschaftlichen Aufschwung, kämpft nun mit steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen. Mit 61 Jahren wirbt Jung um seine Wiederwahl – und fordert gleichzeitig grundlegende Reformen in der eigenen Partei.
Seit 2002 regiert Jung Fürth und ist damit der dienstälteste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt. Unter seiner Führung wurden ehemalige US-Militärflächen mit einer Größe von 190 Hektar zu blühenden Wirtschaftsstandorten umgewandelt. Bis 2025 sollen dort über 100 neue Unternehmen ansässig sein, die rund 2.500 Arbeitsplätze in Logistik, Technologie und Dienstleistungen schaffen. Diese Entwicklung steigerte die lokale Beschäftigung um 15 Prozent und brachte der Stadt jährlich zusätzliche 200 Millionen Euro ein.
Fürth überwand auch die Pleiten der großen Arbeitgeber Grundig und Quelle: Die Zahl der Beschäftigten stieg von 38.000 auf 51.000. Doch trotz dieser Erfolge steht die Stadt nun vor einem Haushaltsdefizit. Zum ersten Mal seit 2010 übersteigen die Ausgaben die Einnahmen – obwohl die Stadt Rücklagen von etwa 150 Millionen Euro aufgebaut hatte.
Jung macht vor allem explodierende Sozialkosten für die angespannte Lage verantwortlich: Jugendhilfe, Grundsicherung, Mietzuschüsse und Pflegeleistungen belasten den Haushalt. Er kritisiert seine eigene Partei, die SPD, weil sie den Sozialstaat ausbaue, statt strukturelle Reformen voranzutreiben. Als positives Beispiel nennt er die Entscheidung von Franz Müntefering aus dem Jahr 2007, das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre anzuheben. Jung plädiert dafür, dass die SPD sich wieder als "Arbeiterpartei" und nicht nur als "Sozialpartei" verstehen sollte.
Für die Zukunft plant Jung, bis 70 zu arbeiten – sofern seine Gesundheit es zulässt. Er fordert eine ehrliche Debatte über längere Lebensarbeitszeiten und nachhaltige Wirtschaftspolitik.
Die finanziellen Probleme Fürths kommen nach Jahren des Wachstums durch Stadtentwicklung und Arbeitsplatzschaffung. Jungs Wiederwahl hängt nun davon ab, ob es ihm gelingt, die Haushaltskrise zu bewältigen und gleichzeitig Reformen auf den Weg zu bringen. Seine Kritik an der SPD erhöht den Druck auf die Partei, ihre Prioritäten zu überdenken.






