10 May 2026, 22:18

Hindenburgs Flaggenkompromiss 1926: Ein gescheiterter Versuch, die Weimarer Republik zu einen

Deutsches Flagge mit einem schwarzen Doppeladler in der Mitte auf horizontalen Streifen von rot, gelb und weiß.

Hindenburgs Flaggenkompromiss 1926: Ein gescheiterter Versuch, die Weimarer Republik zu einen

Der langjährige Flaggenstreit der Weimarer Republik erreichte im Mai 1926 einen Wendepunkt. Reichspräsident Paul von Hindenburg erließ eine neue Verordnung, um die Spannungen zwischen den verfeindeten Lagern zu entschärfen. Der Schritt folgte auf Jahre der erbitterten Auseinandersetzungen um nationale Symbole, die Parteien spalteten und selbst im Alltag zu Konflikten führten.

Der Konflikt hatte sich während der Präsidentschaftswahl 1925 weiter zugespitzt. Auf der einen Seite stand der „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“, unterstützt von SPD, DDP und der katholischen Zentrumspartei. Ihnen gegenüber stand der „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“, getragen von DVP und der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Die rechtsextremen Kräfte drängten auf eine Rückkehr zu den alten kaiserlichen Farben, während Linke und Zentrum die republikanischen Farben Schwarz, Rot und Gold verteidigten.

Die Streitigkeiten griffen auf Straßen, Kirchen und sogar Strände über. Es gab Auseinandersetzungen um Mützenbänder, Kirchturmflaggen und selbst Strandflaggen. Beleidigungen und Konfrontationen wurden zum Alltag und spiegelten die tiefe politische Spaltung wider.

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Edwin Redslob, der Reichskunstwart, erhielt den Auftrag, eine Lösung zu finden. Zu seinen Aufgaben gehörte die Gestaltung einer einheitlichen „Reichsflagge“, doch trotz unzähliger Entwürfe gelang es ihm nicht, die Gräben zu überbrücken. Die Pattsituation hielt an, bis Reichskanzler Hans Luther, ein parteiloser Politiker, einen Kompromiss vorschlug.

Am 5. Mai 1926 unterzeichnete Hindenburg die zweite Flaggenverordnung. Sie bestimmte, dass deutsche Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot) hissen sollten. Vier Tage später veröffentlichte der Reichspräsident einen offenen Brief, in dem er zu einer verfassungsmäßigen Einigung aufrief, um die Spaltung zu überwinden.

Das Vorhaben war von Anfang an ein kalkuliertes Risiko. Die Rechte hoffte, Linke und Zentrum zu einer bedingungslosen Unterstützung von Schwarz-Rot-Gold zu zwingen – doch der Streit vertiefte sich nur. Die Verordnung bot zwar eine vorläufige Lösung, doch die Flaggenfrage blieb ungelöst. Diplomatische Vertretungen im Ausland zeigten nun beide Varianten, doch im Inland schwelten die Konflikte weiter. Hindenburgs Appell zur Versöhnung konnte die verhärteten Fronten beider Blöcke kaum mildern.

Quelle