Indien beharrt auf strategischer Autonomie trotz US-Druck bei russischen Ölimporten
Lotta SchulteIndien beharrt auf strategischer Autonomie trotz US-Druck bei russischen Ölimporten
Indien hat seine Politik der "strategischen Autonomie" bei der Energiebeschaffung bekräftigt – trotz US-amerikanischer Behauptungen, Neu-Delhi habe zugesagt, die Ölimporte aus Russland einzustellen. Außenminister S. Jaishankar betonte, die Entscheidungen des Landes würden weiterhin von eigenen Interessen und nicht von äußerem Druck geleitet. Diese Äußerungen folgen auf Aussagen US-amerikanischer Offizieller, wonach Indien zugesagt habe, seine Abhängigkeit von russischem Öl zu verringern.
Der Anteil Russlands an Indiens Ölimporten stieg von etwa 2 Prozent im Jahr 2021 auf über 40 Prozent bis 2024. Dieser Anstieg erfolgte nach den westlichen Sanktionen gegen Moskau infolge des Ukraine-Kriegs im Februar 2022, wodurch Russland zum größten Öllieferanten Indiens wurde. Der rasche Anstieg der Importe hat vor allem in den USA und anderen westlichen Ländern Aufmerksamkeit erregt.
US-Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio behaupteten beide, Indien habe zugesagt, keine russischen Ölimporte mehr zu tätigen und stattdessen die Einfuhren aus den USA zu erhöhen. Rubio erklärte, die USA hätten Zusagen Indiens erhalten, die Abhängigkeit von russischer Energie zu beenden.
Jaishankar machte in seiner Reaktion deutlich, dass Indiens Energieentscheidungen unabhängig bleiben würden. Er bezeichnete den globalen Energiemarkt als "komplex" und erläuterte, indische Ölunternehmen würden ihre Entscheidungen nach Kosten, Risiken und Verfügbarkeit treffen. Der Minister betonte zudem, dass Indiens langjährige Politik der strategischen Autonomie über parteipolitische Grenzen hinweg ein zentrales Prinzip bleibe.
Jaishankar räumte ein, dass Indiens Entscheidungen nicht immer mit denen seiner westlichen Partner übereinstimmen müssten. Er wiederholte, das Land werde weiterhin im eigenen Interesse handeln – unabhängig von externen Erwartungen.
Während die USA behaupten, Indien habe zugesagt, die Ölimporte aus Russland zu reduzieren, besteht Neu-Delhi auf sein Recht, eigenständige Energieentscheidungen zu treffen. Jaishankars Aussagen unterstreichen Indiens Verpflichtung zur strategischen Autonomie, bei der Faktoren wie Erschwinglichkeit und Versorgungssicherheit Vorrang haben. Die Differenzen verdeutlichen die anhaltenden Spannungen zwischen Indiens Energiepolitik und dem diplomatischen Druck des Westens.






