Kai Hammermeisters neues Buch stellt Heideggers Kunstverständnis radikal infrage
Johanna PetersKai Hammermeisters neues Buch stellt Heideggers Kunstverständnis radikal infrage
Der in Berlin ansässige Philosoph Kai Hammermeister hat ein neues Buch veröffentlicht, das die Verbindung zwischen Politik und Ästhetik untersucht. Unter dem Titel „Die Bewahrung“ stellt es lang gehegte Ansichten infrage, wie Kunst die Staatsführung prägt. Seine Argumente stützen sich auf biblische Erzählungen und eine kritische Auseinandersetzung mit Denkern wie Martin Heidegger.
Hammermeisters akademischer Werdegang umfasst eine Promotion bei dem Philosophen Richard Rorty in den USA sowie eine Lehrtätigkeit an der Ohio State University. In seinem jüngsten Werk widerspricht er Heideggers These, dass Dichtung und Kunst die Grundlage für die Weltanschauung und politische Ordnung eines Volkes bilden. Stattdessen vertritt er die Auffassung, dass die Ästhetik zwar keine Rolle bei der Begründung eines Gemeinwesens spielt, aber dazu beiträgt, es im Laufe der Zeit zu erhalten.
Um seine Position zu erläutern, bezieht sich Hammermeister auf die biblische Geschichte von Mose, der die Zehn Gebote empfängt. Die Tafeln, so betont er, seien kein schöpferischer Akt gewesen, sondern die Bewahrung göttlichen Rechts – ein Prinzip, das er auf die Funktion der Kunst in der Gesellschaft überträgt. Anders als Heidegger, der glaubte, poetische Sprache „erschaffe die Welt“ und gebe dem Unsagbaren Gestalt, sieht Hammermeister darin ein Mittel, um das bereits Vorhandene offenzulegen.
Das Buch warnt zudem vor einem „politischen Romantizismus“, bei dem ästhetische Belange die praktische Staatsführung überlagern. Hammermeister besteht darauf, dass Kunst innerhalb eines konservativen politischen Rahmens eine „bewahrende“ Rolle einnehmen sollte. Ihr Zweck liege nicht darin, neue Staaten zu schaffen, sondern das Wesen einer Kultur zu erhalten.
„Die Bewahrung“ bietet eine eigenständige Perspektive auf das Zusammenspiel von Kunst und Politik. Hammermeisters Kritik an Heidegger und sein Fokus auf Bewahrung statt auf Schöpfung heben sein Werk hervor. Das Buch deutet poetische Sprache als Instrument der Offenbarung – nicht der Revolution – im politischen Leben.






