26 April 2026, 14:21

Kölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen

Schwarzes und weißes Foto einer Stadt nach einer Katastrophe am 5. Juni 1892, das Gebäude, Pfosten, Rauch und einen Hügel im Hintergrund zeigt, mit Text unten.

Kölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen

Fünfzehn Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs während des U-Bahn-Baus bleibt die Stelle eine schmerzhafte Mahnung an die Katastrophe. Zwei Menschen kamen ums Leben, und innerhalb von Minuten verschwanden 1.000 Jahre historischer Dokumente. Nun, da die Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahnlinie wiederaufgenommen werden, sollen die provisorischen Betonfüllungen endlich entfernt werden.

Der Einsturz ereignete sich 2009 – das Archiv stürzte komplett in sich zusammen. Darin befanden sich 1,7 Millionen Dokumente, die die Geschichte Kölns festhielten. Zwei junge Männer in benachbarten Häusern starben, als der Boden unter ihnen nachgab.

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Die juristischen Folgen zogen sich über Jahre hin. 2018 verurteilte ein Gericht den Bauleiter und den verantwortlichen Bauingenieur. Doch bis 2024 wurde das Verfahren wegen Verfahrensfehlern und nachlassendem öffentlichen Interesse eingestellt.

Seit der Katastrophe blieb die Baustelle teilweise offen – eine sichtbare Narbe in der Stadt. 2023 füllten Arbeiter Teile der Grube mit Beton auf. Ein Jahr zuvor hatte der Künstler Reinhard Matz mit Klagelied in acht Tafeln an der Absperrung eine eindringliche Darstellung des Einsturzes geschaffen.

Die Aktivistengruppe ArchivKomplex kämpft seit 2011 für eine Mitsprache bei den Wiederaufbauplänen. Sie fordert eine würdige Erinnerung an die Tragödie.

Wenn der neue U-Bahn-Abschnitt fertiggestellt ist, wird sich die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen – genau die Dauer, die der Einsturz selbst benötigte.

Die Entfernung des provisorischen Betons markiert einen weiteren Schritt zur Vollendung der lange verzögerten U-Bahn-Strecke. Doch das Erbe der Katastrophe wirkt nach – von den verlorenen Archivalien bis hin zu den ungelösten Forderungen nach einem Gedenkort. Für viele bleibt die Stelle ein Symbol für Fortschritt und unwiederbringlichen Verlust.

Quelle