Lettlands Ministerpräsidentin fordert ein mächtigeres Europa mit eigenem Sicherheitsrat
Philipp LangeLettlands Ministerpräsidentin fordert ein mächtigeres Europa mit eigenem Sicherheitsrat
Lettlands Ministerpräsidentin Evika Siliņa hat Europa aufgefordert, zu einer stärkeren geopolitischen Macht zu werden. Sie forderte den Kontinent auf, das Verhältnis zu den USA durch eine direktere und klarere Kommunikation neu auszurichten. Dieser Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen den traditionellen Verbündeten.
Die Belastungsprobe begann mit den umstrittenen Drohungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, Grönland 2019 annektieren zu wollen. Seither überdenken europäische Führungskräfte, wie sie die transatlantischen Beziehungen in einer sich rasant wandelnden Welt gestalten können.
Siliņa schlägt mutige Schritte vor, um Europas Position zu stärken. Eine Idee ist ein europäischer Sicherheitsrat nach Vorbild der UNO, der in Krisen schnelle Entscheidungen treffen soll. Dazu könnte auch eine militärische Eingreiftruppe gehören, um die Reaktionszeiten zu verbessern.
Zudem zeigt sie sich offen für frühzeitige Gespräche über eine europäische nukleare Abschreckung. Zwar stößt das Konzept in mehreren EU-Hauptstädten auf Interesse, doch seit ihrer Erklärung im Februar 2024 gab es keine konkreten politischen Änderungen. Stand Februar 2026 liegen auf EU-Ebene keine offiziellen Beschlüsse oder Stellungnahmen zu diesem Thema vor.
Um die Entscheidungsfindung zu beschleunigen, haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs kürzlich darauf geeinigt, dass kleinere Ländergruppen Gesetze vorantreiben dürfen. Damit soll verhindert werden, dass Vetodrohungen – etwa von Ungarn – zu Verzögerungen führen. Unterdessen hat der US-Außenminister Marco Rubio dazu aufgerufen, die Partnerschaft zwischen den USA und Europa wiederzubeleben. Doch viele Europäer bleiben skeptisch, angesichts der ideologischen Wende unter Trumps Regierung.
Siliņa argumentiert, ein besser gerüstetes und entschlosseneres Europa würde mehr Respekt einflößen. Dies, so ihre Überzeugung, würde es dem Kontinent ermöglichen, mit den USA auf Augenhöhe zu verhandeln.
Der Appell für ein stärkeres Europa spiegelt die wachsenden Sorgen über die transatlantischen Beziehungen wider. Da es bisher weder bei der Verteidigungspolitik noch bei der nuklearen Abschreckung größere Kurswechsel gab, dauert die Debatte an. Vorerst konzentriert sich Europa darauf, seine Fähigkeit zu verbessern, in globalen Krisen schnell und eigenständig handeln zu können.






