Mainzer Stadtrat erhält ersten "Dummen August" für mutige Ehrlichkeit
Emil KrügerMainzer Stadtrat erhält ersten "Dummen August" für mutige Ehrlichkeit
Ein linker Stadtrat aus Mainz 05 ist in diesem Jahr mit einer ungewöhnlichen Ehre bedacht worden: Martin Malcherek wurde als erster Preisträger des Dummen August ausgezeichnet – ein Preis, der von der Initiative Rettet das Römische – unsere Website verliehen wird. Die Auszeichnung würdigt eine Narrentradition mit Wurzeln, die bis in die Antike zurückreichen.
Die Verleihung fand im Rahmen der 100-Jahr-Feier der Mainzer Hofsänger statt, einer historischen Karnevalsgruppe. Dirk Loomans, Präsident des Karneval Club Kastel, überreichte die Trophäe vor einem Publikum aus Jecken und lokalen Persönlichkeiten.
Der Dumme August – oder "tölpelhafte Clown" – ist seit langem fester Bestandteil der Karnevalskultur. Ursprünglich im antiken Theater beheimatet, entwickelte sich die Figur über mittelalterliche Hofnarren hin zum modernen Zirkusclown. Diese Gestalten verspotten seit jeher die Mächtigen mit beißendem Humor und verbinden Satire mit Unterhaltung. In Mainz erhielt die Tradition eine volksnahe Note: Der Dumme August wurde zum Symbol für Verletzlichkeit und schonungslose Ehrlichkeit.
Loomans erläuterte, der Karneval feiere zwar oft die schlauen Narren, übersehe aber den Dummen August, der stolpert, sich lächerlich macht – und dabei tiefere Wahrheiten offenbart. Malcherek sei der ideale Preisträger, so Loomans, da er durch jahrelanges kompromissloses Auftreten und seine Bereitschaft, andere zu provozieren, den Geist der Auszeichnung verkörpert.
Christian Vahl, Vorsitzender von Rettet das Römische – unsere Website, verfolgte die Geschichte des Clowns bis in die Antike zurück. Damals gab es vier Narrentypen: den Centunculus, die Deliciae, den Stupidus – und eine frühe Version des Dummen August. Jede dieser Figuren diente dazu, menschliche Torheiten bloßzustellen, indem sie Gelächter mit Gesellschaftskritik verband.
Bei der Annahme des Preises entwarf Malcherek die Vision einer endlosen Feier. Er rief nach einem Land, in dem bunte Fahnen für immer wehen und kostümierte Menschenmengen ohne Ende durch die Straßen ziehen. Seine Rede malte das Bild eines ewigen Rosenmontags – eines Tages der Einheit, der Freude und offener Grenzen, an dem alle Menschen als Gleiche zusammenkommen.
Die Auszeichnung wird erstmals in Mainz 05 vergeben und rückt eine Karnevalstradition in den Fokus, die nicht nur Scharfsinn, sondern auch mutiges Scheitern und ungeschminkte Ehrlichkeit schätzt. Malchereks Würdigung verbindet moderne Politik mit einer uralten Form der Satire, in der Lachen und Kritik Hand in Hand gehen.






