08 February 2026, 16:28

München bewertet digitale Souveränität mit neuem Ampelsystem nach Nutri-Score-Vorbild

Eine detaillierte Karte des National Capital Open Space System, die verschiedene Freiflächen, Sehenswürdigkeiten, Punkte von Interesse und begleitenden Text und Logos zeigt.

München bewertet digitale Souveränität mit neuem Ampelsystem nach Nutri-Score-Vorbild

München führt neues System zur Messung der digitalen Souveränität ein

München hat ein neues System eingeführt, um zu bewerten, wie unabhängig seine IT-Dienstleistungen von ausländischen Technologieanbietern sind. Der sogenannte Digital Sovereignty Score (DSS) analysiert die Risiken, die mit Anbietern und rechtlichen Zuständigkeiten verbunden sind. Das Instrument soll der Stadt helfen, die Abhängigkeit von externen Technologieunternehmen zu verringern und gleichzeitig die Transparenz in der öffentlichen Verwaltung zu erhöhen.

Der DSS wurde mit Unterstützung der Technischen Universität München (TUM) entwickelt. Optisch orientiert er sich am Nutri-Score und unterteilt die IT-Infrastruktur in fünf Kategorien nach ihrem Grad an digitaler Souveränität. Bewertet werden technische Abhängigkeiten, rechtliche Risiken und organisatorische Schwachstellen.

In einer ersten Testphase wurden 194 kritische kommunale Dienstleistungen aus fünf Bereichen überprüft. Die Ergebnisse zeigten, dass 66 Prozent in die beiden besten Stufen (DSS 1 und 2) fielen und damit eine hohe Unabhängigkeit aufweisen. Allerdings lagen 5 Prozent in der risikoreichen Kategorie DSS 4, und 21 Prozent wurden als DSS 5 eingestuft – die besorgniserregendste Stufe. Zu dieser Gruppe gehörten gesetzlich vorgeschriebene E-Vergabeplattformen, zentrale Anwendungen des öffentlichen Rechts sowie Software für die elektronische Aktenverwaltung.

Dr. Laura Dornheim, IT-Referentin und Chief Digital Officer der Stadt München, betonte, dass messbare Standards entscheidend seien, um die digitale Souveränität voranzutreiben. Die Stadt plant, den DSS in ihre IT-Prozesse und Vergaberichtlinien zu integrieren und in zukünftigen Verträgen strengere Anforderungen an offene Standards durchzusetzen.

Münchens Vorgehen steht im Einklang mit europäischen Bestrebungen, die Abhängigkeit von ausländischen Tech-Konzernen zu verringern. Während die Stadt bis zum 4. Februar 2026 einen "Souveränitäts-Score" für ihre Dienstleistungen einführen will, gibt es bisher keine Hinweise auf ähnliche Projekte in anderen deutschen Städten oder öffentlichen Verwaltungen.

Der DSS wird künftig die IT-Entscheidungen Münchens prägen und eine größere Kontrolle über die digitale Infrastruktur anstreben. Durch strengere Ausschreibungsregeln und regelmäßige Bewertungen soll die Abhängigkeit von externen Anbietern in öffentlichen Dienstleistungen reduziert werden. Die langfristigen Auswirkungen auf Beschaffung und kommunale Abläufe werden sich im Laufe der Umsetzung zeigen.