Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause: Zwischen Tradition und Reformdruck
Lotta SchulteMünchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause: Zwischen Tradition und Reformdruck
Dominik Krause ist im März 2023 zum ersten Grünen Oberbürgermeister Münchens gewählt worden, nachdem er die Stichwahl für sich entschieden hatte. Der 35-jährige Physiker setzte sich mit 56,4 Prozent der Stimmen gegen den langjährigen Amtsinhaber Dieter Reiter durch. Sein Wahlkampf stand im Zeichen mutiger Versprechen, darunter das Vorhaben, 50.000 neue Wohnungen zu bauen, um die Wohnungsnot in der Stadt zu bekämpfen.
Krause betrat die politische Bühne mit einem Ruf für direkte, schonungslose Aussagen – so bezeichnete er das Oktoberfest während seiner Zeit als stellvertretender Bürgermeister einst als die "größte Freiluft-Drogenparty der Welt". Dennoch wird er an den Traditionen des Volksfests teilnehmen und im September 2023 gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder das erste Fass anstechen.
Seine Wahl markierte einen Bruch mit Reiters zurückhaltendem Führungsstil, der unter dem Motto "passt schon" stand. Krause hingegen warb mit dem Slogan "Mehr ist möglich" und schlug Maßnahmen vor wie die Einrichtung einer Behörde gegen Leerstand und Mietwucher. Doch bis März 2026 sind keine konkreten politischen Weichenstellungen oder städtebaulichen Projekte aus seiner Amtszeit dokumentiert.
Abseits der Politik lebt Krause offen schwul und nahm während seines Wahlkampfs scherzhaft den Spitznamen "BürGAYmeister" an. Sein Verlobter, ein Arzt, lernte er vor fast zwei Jahrzehnten in einem Tanzkurs kennen. In seiner Freizeit geht er gern wandern und skifahren; Ostern 2023 wollte er in Südtirol verbringen. Zwar gilt er für das Amt als jung, doch ist er nicht Münchens jüngster Oberbürgermeister – Hans-Jochen Vogel war bei seiner Wahl 1960 noch ein Jahr jünger.
Trotz der unterschiedlichen Visionen für die Stadt hat Krause bisher darauf verzichtet, seinen Vorgänger Reiter öffentlich zu kritisieren. In seinen ersten Amtsmonaten zeigten sich noch keine grundlegenden Abweichungen von der bisherigen Linie, sodass Beobachter weiterhin auf die Umsetzung seiner Wohnungsbau- und Sozialversprechen warten.
Krause trat sein Amt am 22. März 2026 an, nach einem deutlichen Sieg über Reiter. Seine Wahlkampfversprechen – darunter 50.000 neue Wohnungen und strengere Mietkontrollen – sind bisher jedoch nicht eingelöst. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sein Motto "Mehr ist möglich" für München in greifbare Veränderungen umgesetzt wird.






