16 April 2026, 18:17

NDR kämpft um unzensierte Enthüllungen im Fall Julian Reichelt

Titelseite der deutschen Zeitung "Weitpreubliche Zeitung" vom 13. November 1939, die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung zeigt.

NDR kämpft um unzensierte Enthüllungen im Fall Julian Reichelt

Der Rechtsstreit um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt nimmt eine neue Wendung. Ein 2023 ausgestrahlter ARD-Bericht über sein Verhalten wurde nach einer von ihm erwirkten einstweiligen Verfügung teilweise zensiert. Nun kämpft der Sender NDR darum, die geschwärzten Passagen in einem vollständigen Gerichtsverfahren wiederherzustellen.

Der Fall geht auf Vorwürfe wegen Machtmissbrauchs und unangemessener Beziehungen zu Untergebenen zurück, die Der Spiegel 2022 erstmals aufgedeckt hatte. Doch fast vier Jahre später sind zentrale Fragen weiterhin ungeklärt.

Die Kontroverse begann 2022, als Der Spiegel Berichte über Reicheltes Verhalten bei Bild veröffentlichte. Demnach soll er mehrere Affären mit jüngeren Mitarbeiterinnen gehabt und Frauen möglicherweise zu sexuellen Beziehungen gedrängt haben. Reichelt bestreitet seit jeher jegliches Fehlverhalten.

2023 sendete ARD in der Reihe Reschke Fernsehen einen Beitrag, der die Vorwürfe des Machtmissbrauchs bei Bild als noch schwerwiegender darstellte als zunächst bekannt. Reichelt ging jedoch juristisch dagegen vor und erreichte eine einstweilige Verfügung, die ARD zwang, zentrale Aussagen aus der Sendung zu entfernen. Der vollständige Bericht ist mittlerweile nicht mehr in der ARD-Mediathek verfügbar, da die übliche zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist.

NDR, der hinter der Untersuchung stehende Sender, wehrt sich nun gegen die Zensur. Im Rahmen des Verfahrens will er Zeugen befragen, darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer sexuellen Beziehung genötigt. Sollte der Fall in einer öffentlichen Verhandlung behandelt werden, könnte dies für den Bild-Verlag Axel Springer unangenehme Enthüllungen mit sich bringen. Einige Frauen, die sich geäußert hatten, sollen berufliche Konsequenzen erlebt haben.

Das deutsche Justizsystem ist berüchtigt für seine Langsamkeit, besonders in presserechtlichen Auseinandersetzungen. Da der Fall 2026 noch immer nicht abgeschlossen ist, könnte eine endgültige Klärung noch länger auf sich warten lassen.

Das Ergebnis von NDRs juristischem Vorstoß könnte entscheiden, ob die zensierten Details wieder öffentlich zugänglich werden. Eine vollständige Verhandlung würde Zeugen zudem die Möglichkeit geben, offen auszusagen. Bis dahin bleibt das Ausmaß von Reicheltes mutmaßlichem Fehlverhalten – und die Folgen für die Betroffenen – im Unklaren.

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