Oldenburgs radikale Wende: Ein Museum wird zum Herzstück der neuen Innenstadt
Emil KrügerOldenburgs radikale Wende: Ein Museum wird zum Herzstück der neuen Innenstadt
Oldenburg steht vor einer radikalen Umgestaltung seiner Innenstadt: Ein neues Museum soll den öffentlichen Raum neu definieren. Bürgermeister Jürgen Krogmann räumte ein, dass die Stadtplanung in diesem Bereich jahrzehntelang vom Autoverkehr dominiert wurde. Nun soll ein kultureller Begegnungsort entstehen, der Menschen auf offene und einladende Weise zusammenbringt.
Das Herzstück des Projekts ist ein vierstöckiges Museum in hellem Grauverblender, entworfen von den Architekturbüros GME und JES. Es bildet den Mittelpunkt eines größeren „Museumsinsel“-Komplexes, zu dem auch das Horst-Janssen-Museum und zwei historische Villen gehören, die einst dem Kaufmann Theodor Francksen gehörten.
Im Inneren fungiert das Museum als „dritter Ort“ – ein Raum, in dem Besucher entspannen, sich unterhalten oder sogar ein Nickerchen machen können. Nur für die Ausstellungsbereiche wird Eintritt verlangt. Diese zeigen Oldenburgs Geschichte auf, von den mittelalterlichen Anfängen über die Zeit als NS-Gauhauptstadt bis hin zu basisdemokratischen Bewegungen, die die Stadt prägten. Exponate wie ein Neon-Schild der Fleischerei Monse, eine Eintrittskarte für ein Nirvana-Konzert und ein Schlüssel eines syrischen Flüchtlings verbinden die Besucher mit persönlichen Schicksalen der Vergangenheit.
Im dritten Obergeschoss lädt das „Oldenburger Fenster“ mit einem Panoramablick über die Stadt zum Verweilen ein. Dieser Raum soll zum Nachdenken anregen, wie die Bürger die Zukunft ihrer Stadt mitgestalten können. Ein Musikautomat mit lokalen Liedern – darunter eine freche Jazzversion der Stadt-Hymne – setzt einen spielerischen Akzent.
Vor dem Museum entsteht ein neuer Platz, der eröffnet werden soll, sobald der Neubau des benachbarten Versicherungskonzerns fertiggestellt ist. Das Projekt markiert einen Abschied von der autogerechten Stadtplanung und setzt auf lebendige, menschenfreundliche öffentliche Räume.
Das Museum vereint Geschichte, Kultur und bürgerschaftliches Engagement an einem Ort. Seine Ausstellungen und frei zugänglichen Bereiche sollen Gespräche über Oldenburgs Vergangenheit und Zukunft anstoßen. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten wartet die Stadt nun darauf, dass der Platz Gestalt annimmt – und die Vision vollständig Wirklichkeit wird.






