Scharfe Kritik an Merz' Rentenreform: SoVD-Chefin warnt vor sozialer Ungerechtigkeit
Johanna PetersScharfe Kritik an Merz' Rentenreform: SoVD-Chefin warnt vor sozialer Ungerechtigkeit
Die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, hat die Rentenreformen von Bundeskanzler Friedrich Merz scharf angegriffen. Sie warf der Regierung vor, das Vertrauen in die gesetzliche Rente zu untergraben und mit geplanten Kürzungen besonders einkommensschwache Haushalte zu belasten. Ihre Kritik kam, nachdem Merz auf einer jüngsten Konferenz seine Position präzisiert hatte – und damit die Debatte über die Zukunft der Altersvorsorge weiter anheizte.
Engelmeier verurteilte die Äußerungen des Kanzlers beim Jahresempfang des Bundesverbands deutscher Banken, wo er angedeutet hatte, die gesetzliche Rente werde künftig nur noch den Grundbedarf decken. Sein Ansatz sei "völlig inakzeptabel", betonte sie und warnte, solche Aussagen "verängstigten Millionen Menschen", die im Alter auf die Rente als Haupt-einkommensquelle angewiesen seien. Die SoVD-Chefin wies zudem Merz' Versuch zurück, die Arbeit der Rentenkommission vorwegzunehmen, und bestand darauf, dass Entscheidungen erst nach einer fachlichen Prüfung getroffen werden dürften.
Auf dem Kongress der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) versuchte Merz später, seine Haltung zu klären. Er bekräftigte zwar, dass die gesetzliche Rente das Fundament der Altersvorsorge bleibe, plädierte aber für eine Neuausrichtung der drei Säulen der Rente. Engelmeier hingegen argumentierte, seine Pläne gefährdeten ein System, auf das Millionen ausschließlich angewiesen seien.
Ihre Kritik richtete sich auch gegen die Gesundheitsreformen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, insbesondere gegen die Pläne, das Krankengeld zu kürzen und die beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner teilweise abzuschaffen. Diese Schritte nannte Engelmeier "völlig unverständlich" und "höchst unsolidarisch" – sie würden einkommensschwache und mittlere Haushalte überproportional belasten. Zudem forderte sie, die Altersvorsorgebeiträge von Sozialhilfeempfängern aus Steuermitteln zu finanzieren, statt die Kosten auf die Betroffenen abzuwälzen.
Um die Rente zu stärken, sprach sich Engelmeier für gezielte Maßnahmen aus, darunter Reformen am Arbeitsmarkt und eine schrittweise Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent. Ohne solche Schritte, so ihre Warnung, werde die gesetzliche Rente als verlässliche Einkommensquelle weiter an Bedeutung verlieren.
Der Streit offenbart tiefe Gräben in der Renten- und Gesundheitspolitik. Während der SoVD auf einen stärkeren Schutz der gesetzlichen Leistungen pocht, fordert Engelmeier steuerfinanzierte Sozialbeiträge und ein höheres Rentenniveau, um die Absicherung künftiger Rentnergenerationen zu gewährleisten. Die Regierung steht nun unter Druck, diese Bedenken ernst zu nehmen, bevor sie ihre Reformpläne weiter vorantreibt.






