Selenskyj als „globaler Held“ – doch die Ukraine steht vor schwierigen Entscheidungen
Lotta SchulteSelenskyj als „globaler Held“ – doch die Ukraine steht vor schwierigen Entscheidungen
Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als "globalen politischen Helden" bezeichnet. Seine Äußerungen fielen zusammen mit Selenskyjs Zusagen, in der Ukraine trotz des anhaltenden Krieges Wahlen abzuhalten – vorausgesetzt, das Land erhält Sicherheitsgarantien von den USA und Europa.
Ischinger hob die Entschlossenheit und das Geschick des Präsidenten bei der Bewältigung hochriskanter Situationen hervor und sprach zugleich die komplexe Frage künftiger Beziehungen zu Russland an.
Der ehemalige Diplomat räumte ein, dass eine Versöhnung zwischen der Ukraine und Russland zwar denkbar sei – allerdings nur unter einer anderen Führung in Moskau. Er warnte jedoch, dass Bestrebungen, die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland wiederzubeleben, in Osteuropa auf starken Widerstand stoßen dürften.
Ischinger betonte zudem, dass es derzeit keinen klaren Nachfolger für Wladimir Putin gebe. Berichten zufolge würde selbst im Falle eines Rücktritts Putins die Macht wahrscheinlich in einem "kollektiven Putin-System" verbleiben, das von loyalen Funktionären aufrechterhalten wird, statt von einer einzelnen Führungspersönlichkeit. Stand Januar 2026 übt Putin weiterhin das Amt des russischen Präsidenten aus, ohne dass ein baldiger Abgang absehbar wäre.
Selenskyjs Bereitschaft, auch im Krieg Wahlen durchzuführen, hat internationale Aufmerksamkeit erregt. Seine Entscheidung hängt von verbindlichen Sicherheitszusagen westlicher Partner ab und spiegelt die schwierige Gratwanderung zwischen demokratischen Prozessen und den Realitäten des Konflikts wider.
Ischingers Aussagen unterstreichen Selenskyjs wachsendes internationales Ansehen, verweisen aber auch auf die bevorstehenden Herausforderungen. Die Aussicht auf Wahlen im kriegsgebeutelten Ukraine hängt von westlichen Garantien ab, während eine mögliche Versöhnung mit Russland weiterhin an einen Führungswechsel in Moskau geknüpft bleibt. Vorerst zeigt Putins Machtposition keine Anzeichen von Schwäche.