Söder will Krankengeld reformieren und Arbeitszeiten verlängern – doch was bedeutet das für Arbeitnehmer?
Philipp LangeSöder will Krankengeld reformieren und Arbeitszeiten verlängern – doch was bedeutet das für Arbeitnehmer?
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat eine Reihe von Reformen vorgeschlagen, um die Finanzierungslücken in Deutschlands Renten- und Gesundheitssystem zu schließen. Seine Pläne umfassen strengere Regeln für Krankengeld, längere Arbeitszeiten sowie neue Modelle für den Umgang mit krankheitsbedingten Fehlzeiten. Die Vorschläge kommen zu einem Zeitpunkt, an dem das Land mit demografischem Druck und steigender finanzieller Belastung konfrontiert ist.
In einem Interview mit der Bild am Sonntag skizzierte Söder Änderungen wie frühere Arztatteste bei Krankschreibungen und die Abschaffung von telefonischen Krankmeldungen. Zudem forderte er eine Ausweitung der Gesamtarbeitszeit und verwies dabei auf Systeme in der Schweiz und Skandinavien.
Ein zentraler Punkt von Söders Plänen ist die Verschärfung der Krankengeldregelungen. Derzeit erhalten Arbeitnehmer ab dem vierten Krankheitstag ihren vollen Lohn weitergezahlt. Künftig soll dies erst ab dem dritten Tag gelten – eine Rückkehr zu den sogenannten Karenztagen, also Wartezeiten vor dem Bezug von Leistungen. Zudem müssten Beschäftigte bereits ab dem dritten Tag ein ärztliches Attest vorlegen, und die Möglichkeit, sich telefonisch krankmelden zu lassen, würde entfallen.
Der CSU-Vorsitzende schlug außerdem die Einführung einer teilweisen Krankschreibung vor, angelehnt an skandinavische Modelle. Dadurch könnten Arbeitnehmer mit leichten Erkrankungen stundenweise zurückkehren, statt komplett auszufallen. Ziel ist es, unnötige Fehlzeiten zu reduzieren, ohne die Unterstützung für tatsächlich erkrankte Beschäftigte zu verringern.
Über das Krankengeld hinaus regte Söder eine generelle Ausweitung der Arbeitszeiten an. Er verwies auf das Schweizer System, in dem Arbeitnehmer mehr Stunden pro Woche oder Jahr leisten, und schlug vor, dass Deutschland ein ähnliches Modell übernehmen könnte. Als Ausgleich schlug er Lebensarbeitszeitkonten vor – Arbeitszeitkonten über das gesamte Berufsleben –, die die geleisteten Stunden erfassen und später Flexibilität ermöglichen sollen.
Die Vorschläge kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Ampelkoalition bereits eine Rentenkommission eingesetzt hat. Diese soll bis Mitte 2024 Empfehlungen vorlegen, wie die Altersvorsorge langfristig gesichert werden kann – ohne Steuerzahler oder Beitragszahler übermäßig zu belasten. Söders Ideen bereichern die laufende Debatte, enthalten aber noch keinen konkreten Zeitplan für die Umsetzung.
Söders Reformen zielen auf zwei zentrale Herausforderungen ab: die alternde Bevölkerung und die finanzielle Tragfähigkeit der Sozialsysteme. Durch Anpassungen bei den Krankschreibungsregeln und längere Arbeitszeiten argumentiert er, dass Deutschland die Kosten besser steuern könne, ohne die Unterstützung für Arbeitnehmer zu vernachlässigen. Die nächsten Schritte hängen davon ab, wie die Rentenkommission der Bundesregierung solche Vorschläge in ihrem Bericht Mitte 2024 aufgreift.