Thalia Theater inszeniert fiktiven "Prozess gegen Deutschland" – und spaltet die Öffentlichkeit
Philipp LangeThalia Theater inszeniert fiktiven "Prozess gegen Deutschland" – und spaltet die Öffentlichkeit
Ein umstrittenes Theaterprojekt am Hamburger Thalia Theater: "Prozess gegen Deutschland"
Am Hamburger Thalia Theater hat ein umstrittenes theatralisches Experiment für Aufsehen gesorgt: Der Regisseur Milo Rau inszenierte "Prozess gegen Deutschland" – eine fiktive Gerichtsverhandlung darüber, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. An der Veranstaltung nahmen echte Juristen, Politiker und Aktivisten teil, von denen einige in letzter Minute absagten, als bekannt wurde, dass auch Vertreter des rechten Spektrums auf der Bühne stehen würden.
Milo Rau ist dafür bekannt, Theater mit realen politischen Debatten zu verbinden. In früheren Projekten wie "Die letzten Tage der Ceaușescus", "Die Moskauer Prozesse" oder "Die Zürcher Prozesse" rekonstruierte er historische und juristische Dramen mit tatsächlichen Opfern, Experten und Zeugen. In "Die Moskauer Prozesse" setzte er Stalins Schauprozesse von 1938 in Szene und thematisierte so die Zensur unter Putins Regime. "Die Zürcher Prozesse" widmeten sich dem Fall eines rechtsextremen Mörders und kritisierten dabei die populistische Politik und Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz.
Für "Prozess gegen Deutschland" gewann Rau prominente Teilnehmer: Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernahm den Vorsitz als Richterin. Die siebenköpfige Jury setzte sich sowohl aus Befürwortern als auch aus Gegnern eines AfD-Verbots zusammen. Nach zwei Tagen mit Zeugenaussagen empfahlen die Juroren eine weitere juristische Prüfung des Parteistatus.
Die Produktion löste sofort scharfe Kritik aus. Mehrere Beteiligte zogen ihre Teilnahme zurück, als sie erfuhren, dass sie die Bühne mit AfD-nahen Personen teilen müssten. Dennoch fand die Veranstaltung statt und entfachte eine hitzige Debatte über Meinungsfreiheit, Extremismus und die Grenzen künstlerischer Provokation.
Der Prozess endete mit dem Aufruf, die Rechtmäßigkeit der AfD genauer zu untersuchen. Raus Methode der "Pseudo-Jurisprudenz" rückte damit einmal mehr reale politische Spannungen ins theatralische Rampenlicht. Die Diskussion über die Zukunft der Partei – und die Ethik solcher inszenierten Konfrontationen – dauert nun auch abseits der Bühne an.






