Uli Hoeneß blickt auf zehn Jahre nach seiner Haftentlassung zurück
Johanna PetersPrison Lessons for Hoeness: Humility and Social Responsibility - Uli Hoeneß blickt auf zehn Jahre nach seiner Haftentlassung zurück
Uli Hoeneß hat über das Jahrzehnt seit seiner Haftentlassung nachgedacht und seine Zeit im Gefängnis als prägendes Kapitel seines Lebens bezeichnet. Der ehemalige Präsident des FC Bayern München, der wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden war, verbüßte eine 21-monatige Haftstrafe, bevor er am 29. Februar 2016 auf freien Fuß gesetzt wurde. Heute beschreibt er diese Erfahrung als entscheidend – sie habe seine Sicht auf Demut und Verantwortung geprägt.
Hoeneß trat im Juni 2014 seine Haftstrafe an, nachdem er in einem viel beachteten Prozess wegen der Hinterziehung von Millionen an Steuern schuldig gesprochen worden war. Während seiner Inhaftierung erhielt er etwa 5.500 Briefe – einige davon berührten ihn so sehr, dass sie ihn zu Tränen rührten. Diese Briefe bewahrt er bis heute auf und liest sie gelegentlich wieder.
Seine Entlassung kam überraschend: Kurz nach Mitternacht wurde er freigelassen – sowohl Journalisten als auch seine Familie waren davon überrumpelt, da sie mit einer Freilassung am Mittag gerechnet hatten. Als er nach Hause zurückkehrte, erwarteten ihn Freunde mit einer Blasmusikgruppe und einer nächtlichen Runde Schafkopf, einem traditionellen bayerischen Kartenspiel.
Nach seiner Freilassung baute Hoeneß seinen Ruf im deutschen Fußball wieder auf. Er kehrte in die Führungsetage des FC Bayern München zurück und blieb bis 2022 Präsident des Vereins. Unter seiner Ägide festigte der Club seine dominierende Position, doch sein Erbe bleibt untrennbar mit dem Skandal verbunden, der zu seiner Inhaftierung führte.
Ein Jahrzehnt später gibt er zu, kaum glauben zu können, wie schnell die Zeit vergangen ist. Den Kontakt zu ehemaligen Mithäftlingen hat er abgebrochen – die Erinnerungen seien ihm zu unangenehm. Dennoch räumt er ein, dass ihn das Gefängnis Lehren in Demut und gesellschaftlicher Verantwortung vermittelt habe, die ihn bis heute prägen.
Hoeneß' Haftstrafe markierte einen Wendepunkt, sowohl privat als auch beruflich. Seine Rückkehr zum FC Bayern München half ihm, seinen Stand im Fußball wiederherzustellen, doch der Fall der Steuerhinterziehung bleibt Teil seiner Geschichte. Die Briefe, die er aufbewahrt hat, und die unerwartete Herzlichkeit in der Nacht seiner Freilassung dienen ihm als Mahnmal einer Zeit, die er heute als wandelnd beschreibt.






