Von 400 Exemplaren zur polarisierenden Stimme: 40 Jahre Junge Freiheit
Johanna PetersVon 400 Exemplaren zur polarisierenden Stimme: 40 Jahre Junge Freiheit
1986 gründete Dieter Stein die Junge Freiheit, eine Wochenzeitung, die sich gegen die von ihm wahrgenommene Vorherrschaft linker Strömungen in deutschen Medien und Hochschulen stellte. Die ersten 400 Exemplare transportierte er in einem Pappkarton auf seinem Fahrrad nach Hause – ein bescheidener Anfang für eine Publikation, die später sowohl treue Leser als auch behördliche Beobachtung auf sich ziehen sollte.
Die frühen Jahre der Zeitung waren von Kontroversen geprägt. 1995 wurde Steins Auto vor dem Redaktionsgebäude in Brand gesteckt, ein Vorfall, der die angespannte Stimmung um das Blatt weiter verschärfte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Junge Freiheit ihren Sitz bereits von Freiburg nach Berlin verlegt – noch vor dem Umzug der Bundesregierung in die wiedervereinte Hauptstadt.
Die kritische Haltung der Zeitung gegenüber der etablierten Politik zog bald die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nahm sie unter Beobachtung, da es Verbindungen zu extremistischen Kreisen vermutete. Einige Leser berichteten sogar, sie fürchteten Abhörmaßnahmen allein wegen ihres Abonnements.
Jahrzehnte später bleibt die Zeitung eine polarisierende Kraft. Zum 40-jährigen Jubiläum sah sich Stein mit schwierigen Fragen seiner eigenen Social-Media-Redaktion zu ihrem Erbe konfrontiert. Wiederholt wies er Vorwürfe zurück, die Alternative für Deutschland (AfD) finanziere die Zeitung, und betonte deren Unabhängigkeit. Auf die Frage nach dem Wehrdienst unterstützte er zwar das Prinzip, überließ die Entscheidung aber seinem Sohn – ein persönlicher Spagat zwischen Tradition und individueller Freiheit.
Von einer Startauflage von 400 Exemplaren bis zu Jahrzehnten der Debatte hat sich die Junge Freiheit einen eigenständigen Platz in der deutschen Medienlandschaft erarbeitet. Ihre Geschichte umfasst Brandanschläge, Überwachung und anhaltende Extremismusvorwürfe. Doch unter Steins Führung erscheint die Zeitung weiterhin – mit einer ungebrochenen, herausfordernden Stimme im politischen Diskurs des Landes.






