Wehrpflicht-Debatte eskaliert: Linke ruft junge Männer zum Widerstand auf
Johanna PetersWehrpflicht-Debatte eskaliert: Linke ruft junge Männer zum Widerstand auf
In Deutschland hat sich die politische Debatte über die Wehrpflicht weiter zugespitzt. Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, sprach auf einem Anti-Wehrpflicht-Festival vor einem jungen Publikum und rief zum Widerstand gegen die Musterung auf.
Seit dem 1. Januar 2023 müssen alle jungen Männer, die 2008 oder später geboren wurden, einen Fragebogen zur Wehrerfassung ausfüllen. Bis Anfang Mai hatten jedoch etwa 25 Prozent der Betroffenen dies noch nicht getan – und riskieren damit Bußgelder.
Die Bundeswehr zählt derzeit knapp 186.000 aktive Soldatinnen und Soldaten und erreicht damit das Mindestziel für 2026. Langfristig strebt sie jedoch an, bis 2035 mindestens 255.000 Dienstposten zu besetzen. Aktuell werden aufgrund begrenzter Kapazitäten nur Freiwillige zur Bearbeitung einberufen.
Auf dem Festival forderte Reichinnek das Publikum heraus und fragte, wer freiwillig gekommen sei. Sie verurteilte den Militärdienst, die zunehmende Militarisierung sowie Regierungsentscheidungen, die ohne öffentliche Zustimmung getroffen würden. Bodo Ramelow, Vizepräsident des Bundestags, schlug als Alternative vor, die Schulpflicht um ein „soziales Jahr“ zu erweitern, das auch bei der Bundeswehr abgeleistet werden könnte. Daniel Lücking, Berater der Linken und ehemaliger Soldat, hatte zuvor in Afghanistan im Bereich „operative Kommunikation“ gedient.
Die Linke bleibt bei ihrer Ablehnung der Wehrpflicht und richtet ihre Botschaft gezielt an junge Menschen. Gleichzeitig treibt die Bundeswehr ihre Rekrutierungspläne voran. Die Diskussion über den Militärdienst und mögliche Alternativen bleibt damit weiter ungelöst.
