Wie "Thirst Traps" Influencer zu Stars machen – und warum sie gefährlich sind
Lotta SchulteVerführerische TikTok-Clips: Was steckt hinter 'Thirst Traps' - Wie "Thirst Traps" Influencer zu Stars machen – und warum sie gefährlich sind
Kurze, sexualisierte Videos und Fotos, bekannt als Attentionsfalle oder Thirst Traps, sind zu einem der größten Trends in den sozialen Medien geworden. Diese Posts zielen darauf ab, Aufmerksamkeit zu erregen – und steigern oft die Popularität von Influencern, die sie für Marketingzwecke nutzen. Während manche darin eine Form der Selbstbestimmung sehen, warnen andere vor den Risiken, insbesondere für jüngere Nutzer, die täglich mit solchen Inhalten konfrontiert werden.
Der Begriff Thirst Trap setzt sich aus thirst (engl. für "Gier nach Aufmerksamkeit") und trap ("Falle") zusammen – und beschreibt damit gezielt den Ködercharakter dieser Posts. Die Sozialpädagogin Tessa-Marie Menzel erklärt, dass Nutzer in die Falle tappen, indem sie durch Likes oder Kommentare interagieren. Der Medienexperte Rudolf Kammerl ergänzt, dass der Reiz oft in einer angedeuteten Intimität liege, die sich letztlich nie erfülle.
Eines der erfolgreichsten Beispiele sind die Elevator Boys, eine Gruppe von fünf jungen Männern aus Frankfurt. 2023 wurden sie durch TikTok-Videos, die sie in Aufzügen drehten, mit gezielten Thirst Traps zu Stars – und zogen Millionen Zuschauer in ihren Bann. Ihr Erfolg führte zu Kooperationen mit Prominenten wie Heidi Klum und Will Smith, einem Umzug nach Los Angeles und sogar einer Rolle bei Germany's Next Topmodel (GNTM) 2026. Dort tanzten sie mit Klum, saßen in der Jury und arbeiteten mit dem Designer Daniel W. Fletcher zusammen. Heute zählen sie zu den größten TikTok-Crews Deutschlands mit Millionen Followern auf verschiedenen Plattformen.
Für Influencer sind Thirst Traps vor allem ein Geschäftsmodell: Je mehr Likes und Shares sie erhalten, desto höher fallen ihre Einnahmen durch Werbedeals und Markenkooperationen aus. Ein Experiment der deutschen YouTuberin Annikazion aus dem Jahr 2023 bewies ihre Wirksamkeit – nach der Veröffentlichung solcher Posts stieg ihre Followerzahl sprunghaft an. Manche Creator nutzen die Strategie auch, um herkömmliche Schönheitsideale infrage zu stellen und Selbstbewusstsein durch freie Entfaltung zu gewinnen.
Doch es gibt auch kritische Stimmen. Der Trend könne enge Schönheitsnormen – besonders für Frauen – verstärken und Menschen auf ihr Äußeres reduzieren. Da Kinder und Jugendliche häufig mit solchen Inhalten in Berührung kommen, fordern Medienpädagogen strengere Altersbeschränkungen und eine bessere elterliche Aufsicht.
Thirst Traps prägen die sozialen Medien weiterhin – sie bieten Chancen, bergen aber auch Risiken. Während Influencer wie die Elevator Boys daraus Karrieren machen, betonen Experten die Notwendigkeit von Schutzmechanismen, besonders für junge Nutzer. Die Diskussion bleibt: Sind sie ein Ausdruck von Selbstermächtigung oder ein Kreislauf der Objektifizierung?






