Zufit Simons radikaler Fight Club bricht mit ihrer Tanztradition
Die Choreografin Zufit Simon wird am 23. April im Rahmen des Best OFF Festivals für Independent-Theater in Hannover ihr neuestes Werk Fight Club uraufführen. Das Stück markiert einen kühnen Stilbruch in ihrem Schaffen und setzt den Fokus auf Kampf und maskuline Energie. Simon, die in diesem Jahr 45 wird, prägt seit ihrem Umzug aus Israel im Jahr 1999 die zeitgenössische Tanzszene in Deutschland maßgeblich mit.
Die 1980 in Israel geborene Künstlerin lebt seit 25 Jahren in Deutschland. Ihre Karriere erhielt entscheidenden Auftrieb durch die Unterstützung von Dietrich Oberländers artblau Tanzwerkstatt in Braunschweig, wo große Teile ihres frühen Werks entstanden. Doch 2016 strich das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur die konzeptionelle Förderung – ein Einschnitt, der sie zum Umdenken zwang.
Ihr Solo Foams von 2019 brach mit Konventionen, indem es unchoreografierte Bewegungen, vokale Experimente und technische Verzerrungen verband. Ein Jahr später ging Strange Foreign Bodies noch einen Schritt weiter: Die Performance vereinte Darsteller:innen unterschiedlicher Mentalitäten, Hintergründe und Körperlichkeiten – teilweise auch unbekleidet. Kritiker:innen vergleichen ihre Choreografien oft mit molekularer Küche, die aus disparaten Elementen das Wesentliche destilliert.
Trotz aller Anerkennung erlitt Simon 2024 einen Rückschlag, als das LOT-Theater, wo viele ihrer Stücke uraufgeführt worden waren, aufgrund von Insolvenz schließen musste. Nur ein Jahr später erhielt sie den Münchner Tanzpreis für ihr Lebenswerk – eine ungewöhnliche Ehre für eine Künstlerin in der Mitte ihrer Karriere.
Mit Fight Club vollzieht Simon nun eine weitere Wandlung. Anders als ihre früheren, abstrakten und fließenden Arbeiten feiert das Stück Aggression, Konflikt und bewusst maskuline Attitüden. Ihre neue Richtung zeigt sich zu einem Zeitpunkt, an dem sie weiterhin ihre künstlerische Stimme neu definiert. Die Uraufführung findet auf einem Festival statt, das unabhängiges Theater fördert. Mit einem Lebenswerkpreis im Rücken beweist Simon einmal mehr, dass sie sich vor radikaler Neuerfindung nicht scheut.






