CDU-Streit um Teilzeitarbeit: Söder setzt auf Anreize statt Verbote
Johanna PetersSöder: Söder will länger arbeiten wollen - CDU-Streit um Teilzeitarbeit: Söder setzt auf Anreize statt Verbote
In den konservativen Parteien Deutschlands ist eine Debatte über die Rechte auf Teilzeitarbeit entbrannt. Der wirtschaftsnahe CDU-Flügel MIT schlug vor, den Zugang zu Teilzeitbeschäftigung nur noch bei Vorlage triftiger Gründe zu gewähren. Der Vorschlag stieß sowohl bei oppositionellen Parteien als auch innerhalb der CDU selbst auf scharfe Kritik.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder brachte sich mit einem alternativen Ansatz in die Diskussion ein: Statt die Flexibilität einzuschränken, plädierte er für Anreize, um die Arbeitszeiten zu verlängern.
Der MIT-Plan sieht vor, Teilzeitarbeit nur unter bestimmten Bedingungen – etwa bei Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen – zu ermöglichen. Finanzministerin Katherina Reiche argumentierte, strengere Regeln würden die Produktivität steigern. Doch der Vorschlag löste umgehend Widerspruch aus.
CDU-Kritiker wie der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Gordon Schnieder lehnten die Idee ab. Stattdessen sprachen sie sich für Steueranreize aus, um Vollzeitarbeit attraktiver zu machen. Manuela Schwesig, SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, warf der CDU vor, die Realitäten des Arbeitsmarktes nicht zu verstehen. Auch Dennis Radtke, Vorsitzender des CDU-Sozialflügels, lehnte den Vorschlag ab und warnte vor unnötigen Einschränkungen. CSU-Chef Markus Söder sprach sich gegen pauschale Kürzungen oder Verbote von Teilzeitarbeit aus. Eine solche Vorgehensweise bezeichnete er als "falschen Ansatz" und schlug stattdessen Steuererleichterungen sowie Befreiungen von bestimmten Abgaben vor. Nach Söders Auffassung könnte bereits eine zusätzliche Arbeitsstunde pro Woche die Produktivität spürbar erhöhen, ohne die Flexibilität der Beschäftigten einzuschränken.
Der MIT-Vorschlag zur Einschränkung der Teilzeitarbeitsrechte spaltet die Meinungen innerhalb der CDU und darüber hinaus. Während die einen strengere Auflagen fordern, um die Produktivität zu steigern, setzen andere – darunter Söder – auf finanzielle Anreize, um die Arbeitszeit zu verlängern. Die Debatte zeigt, wie unterschiedlich die Vorstellungen darüber sind, wie sich Flexibilität am Arbeitsmarkt mit wirtschaftlichem Wachstum in Einklang bringen lässt.