06 January 2026, 08:52

Jüdischer Student verklagt FU Berlin wegen mangelndem Schutz vor Antisemitismus

Ein Buchumschlag mit Armee-Panzern und Jeeps in einer KriegsSzene mit Text darüber.

Prozess gegen Universität - Verhandlung wird fortgesetzt - Jüdischer Student verklagt FU Berlin wegen mangelndem Schutz vor Antisemitismus

Ein jüdischer Student der Freien Universität Berlin (FU Berlin) klagt gegen die Hochschule, weil sie ihn nach seinen Angaben nicht ausreichend vor antisemitischer Diskriminierung geschützt hat. Lahav Shapira, der im Februar 2024 von einem Kommilitonen angegriffen wurde, wirft der Universität vor, weder den Übergriff verhindert noch angemessen mit den Folgen umgegangen zu sein.

Der Fall erhält Unterstützung von Ofek, einer Beratungsstelle für Opfer antisemitischer Gewalt, während die Universität jede Schuld von sich weist. Nun soll das Berliner Verwaltungsgericht Anfang 2026 die Antidiskriminierungspolitik der Hochschule erneut prüfen.

Der Vorfall ereignete sich im Februar 2024 in Berlin-Mitte, als Shapira von einem Mitstudenten körperlich angegriffen wurde. Er erlitt Verletzungen und zeigte die Tat später als antisemitisch motiviertes Hassverbrechen an. Im April 2025 urteilte das Amtsgericht Tiergarten, dass der Angriff tatsächlich antisemitische Beweggründe hatte, und verurteilte den Täter zu drei Jahren Haft.

Shapira verklagt seitdem die FU Berlin mit der Begründung, die Universität habe gegen das Berliner Hochschulgesetz verstoßen. Seine Klage wirft der Institution vor, keine ausreichenden Maßnahmen zum Schutz jüdischer Studierender vor Diskriminierung ergriffen zu haben. Die Universität verweist demgegenüber auf ihre bestehende Antidiskriminierungsrichtlinie sowie eine eigens eingerichtete Stelle für Diversität und Antidiskriminierung. Die Berliner Organisation Ofek, die Opfer antisemitischer Gewalt unterstützt, begleitet Shapira mit Beratungsangeboten und steht hinter seinem rechtlichen Vorgehen.

Das Berliner Verwaltungsgericht hatte den Fall bereits geprüft und wird die mündliche Verhandlung am 26. Februar 2026 wiederaufnehmen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die bisherigen Schutzmaßnahmen der Universität ausreichen, um jüdische Studierende vor Diskriminierung zu bewahren.

Die anstehende Gerichtsverhandlung wird entscheiden, ob die FU Berlin ihre Antidiskriminierungsmaßnahmen verschärfen muss. Während Shapiras Klage bereits zu einer Verurteilung seines Angreifers geführt hat, bleibt der Rechtsstreit mit der Universität weiter ungelöst. Eine Entscheidung im Jahr 2026 könnte richtungsweisend dafür werden, wie deutsche Hochschulen mit Antisemitismus auf dem Campus umgehen.