Mainzer Faschingssitzung bricht mit 200-jähriger Tradition – erstmals eine Frau an der Spitze
Philipp LangeFrauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Faschingssitzung bricht mit 200-jähriger Tradition – erstmals eine Frau an der Spitze
Die "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht"-Faschingssitzung hat in diesem Jahr Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal seit fast 200 Jahren hat mit Christina Grom eine Frau die Leitung des Protokolls der Veranstaltung übernommen. Die traditionsreiche Show, bekannt für ihre scharfe politische Satire, begrüßte in dieser Ausgabe sowohl alte Bekannte als auch mutige neue Witze.
Seit ihren Anfängen in den 1950er- und 60er-Jahren, als sie noch vor allem leichte Unterhaltung bot, hat sich die Sitzung weiterentwickelt. Ab den 1970er-Jahren wandelte sie sich zur beißenden Satire, die Korruption, Skandale und Machtmissbrauch anprangerte. Über die Jahrzehnte hinweg nahm sie nationale Politiker wie Helmut Kohl wegen der geheimen CDU-Parteispenden, Gerhard Schröder für die Hartz-IV-Reformen, Angela Merkel während der Flüchtlingskrise 2015 und Olaf Scholz im Zuge des Cum-Ex-Steuerskandals aufs Korn. Auch Regionalpolitiker wie Peter Altmaier und Volker Bouffier mussten sich ihrem scharfen Witz stellen.
Die diesjährige Ausgabe blieb dieser Tradition treu. Groms satirische Spitzen richteten sich unter anderem gegen Bundeskanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Ein Running Gag schlug vor, im Himmel solle man Trumps "aufgeblähten Kopf" mit der Gutenberg-Bibel einmal ordentlich zurechtstutzen.
Andreas Schmitt, der nach einer gesundheitsbedingten Pause 2025 auf die Bühne zurückkehrte, moderierte die Veranstaltung und schloss die Show als "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms ab. In seiner Performance wünschte er Papst Leo XIV. scherzhaft viel Erfolg bei der Gleichberechtigung der Geschlechter – in der Hoffnung, bald eine Papstin bei der Osterbotschaft Urbi et Orbi* zu erleben. Auch Jürgen Wiesmann feierte sein 25. Jubiläum in der Rolle des Ernst Lustig, einer beliebten Karnevalsfigur.
Die Faschingssitzung 2024 markiert mit Grom an der Spitze einen Meilenstein und bricht mit einer fast zweihundertjährigen Tradition. Die Mischung aus erfahrenen Darstellern und frischer Satire festigt ihren Ruf als furchtlose Plattform für politischen Humor. Die diesjährigen Sticheleien gegen globale und lokale Persönlichkeiten führen ihr Erbe als mutige, kompromisslose Kommentatorin fort.