Münchens neue ÖPNV-Kampagne Sichere Fahrten will Angst vor Belästigung lindern – doch Kritik bleibt
Lotta Schulte"Safe on the go" im Zug - Videos sollen informieren - Münchens neue ÖPNV-Kampagne Sichere Fahrten will Angst vor Belästigung lindern – doch Kritik bleibt
München startet neue Sicherheitskampagne Sichere Fahrten für mehr Schutz im ÖPNV
München hat eine neue Sicherheitsoffensive mit dem Namen Sichere Fahrten gestartet, um die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr zu verbessern. Die Initiative kommt zu einer Zeit, in der das Verhalten von Fahrgästen und das subjektive Sicherheitsgefühl – insbesondere bei jungen Frauen – zunehmend Sorgen bereiten. Bereits jetzt überwachen über 15.000 Kameras U-Bahn-Stationen, S-Bahn-Halte, Bushaltestellen und Straßenbahnlinien in der gesamten Stadt.
Im Rahmen der Kampagne werden in U- und S-Bahnen Lehrvideos gezeigt, die Passagieren vermitteln, wie sie in Notfällen oder bedrohlichen Situationen reagieren sollen. Die Behörden betonen, dass auch aufmerksame Mitfahrer eine zentrale Rolle für die Sicherheit spielen – neben bestehenden Maßnahmen wie Notrufmeldern auf den Bahnsteigen. Die Münchner Polizei erreicht derzeit Notfälle im ÖPNV im Durchschnitt innerhalb von vier Minuten.
Kritiker monieren jedoch, dass die Videos nicht deutlich genug machen, wer die Sicherheitsinstrumente nutzen darf und wann. Theresa Baum vom Münchner Stadtjugendring wies darauf hin, dass die Kampagne nicht klar benennt, welche Gruppen besonders gefährdet sind und wie sie sich verhalten sollen. Eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab zudem, dass sich nur 26 Prozent der jungen Frauen nachts an Haltestellen sicher fühlen – 28 Prozent berichteten von sexueller Belästigung im öffentlichen Verkehr.
Trotz dieser Bedenken zeigen Kriminalstatistiken, dass U- und S-Bahnen nicht unsicherer sind als andere Bereiche Münchens. MVG-Chef Ingo Wortmann verweist auf eine generell zunehmende Respektlosigkeit und Aggressivität unter Fahrgästen, was den Bedarf an mehr Sensibilisierung unterstreiche.
Das umfangreiche Überwachungssystem, das von der MVG und der Deutschen Bahn betrieben wird, erfasst alle Verkehrsmittel – eine Aufschlüsselung, wie viele Kameras jeweils im Einsatz sind, gibt es jedoch nicht. Die Gesamtzahl umfasst die Überwachung von Stationen, Haltestellen und Fahrzeugen im gesamten Netz.
Die Kampagne Sichere Fahrten soll Fahrgästen Sicherheit vermitteln und gleichzeitig zu mehr Wachsamkeit anregen. Mit Tausenden Kameras und schnellen Polizeieinsatzzeiten hoffen die Verantwortlichen, die Vorfälle eindämmen zu können. Dennoch bleibt die Forderung nach klareren Hinweisen, welche Gruppen besonders von den Sicherheitsmaßnahmen profitieren und wie diese konkret genutzt werden sollen.