Münchner Brandanschlag 1970: Rechtsextremer als mutmaßlicher Mörder von sechs Menschen identifiziert
Philipp LangeMünchner Brandanschlag 1970: Rechtsextremer als mutmaßlicher Mörder von sechs Menschen identifiziert
Ein jahrzehntealter Brandanschlag auf ein Münchner jüdisches Gemeindezentrum könnte endlich einen Tatverdächtigen haben. Bernd V., ein vorbestrafter Krimineller mit rechtsextremen Verbindungen, gilt nun als mutmaßlicher Täter des tödlichen Feuers von 1970. Der Fall, bei dem sechs Menschen ums Leben kamen, war über 50 Jahre lang ungelöst geblieben.
Das Feuer brach an einem Schabbat-Abend im Gebäude der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern aus. Ein unbekannter Angreifer hatte ein Gemisch aus Benzin und Öl im Treppenhaus verstreut und es anschließend in Brand gesteckt. Die Flammen schnitten Bewohnern der oberen Stockwerke den Fluchtweg ab, wo sich ein Altenheim und Studentenwohnheime befanden. Sechs Menschen starben, ein Überlebender erlitt schwere Verletzungen.
Jahre lang verfolgten die Ermittler verschiedene Spuren, darunter palästinensische Gruppen und linksextremistische Täter. Doch 2021 nahm der Fall eine neue Wendung, als ein Hinweis auf ein rechtsextremes Motiv hindeutete. Ein Zeuge behauptete später, Bernd V. habe die Tat während einer Haftstrafe gestanden. Eine weitere Aussage enthüllte, dass er gedroht habe, das Zentrum niederzubrennen, nachdem ein Raubüberfall auf ein nahegelegenes Juweliergeschäft gescheitert war.
Bernd V., damals 26 Jahre alt und in der Münchner Kriminellenszene aktiv, hatte eine lange Geschichte gewalttätiger Straftaten. Zu seinen Taten gehörten die Sprengung von Telefonzellen und der Diebstahl der 500 Jahre alten Blutenburger Madonna. Er galt als von einem "glühenden Antisemitismus" besessen und starb 2020 – ebenso wie alle bekannten Mitglieder seiner Bande.
Die Ermittlungen zum Brandanschlag von 1970 wurden nun mit Bernd V. als Hauptverdächtigem eingestellt. Obwohl er und seine Komplizen nicht mehr leben, wird die Tat damit dem rechtsextremen Milieu zugeordnet. Rechtliche Konsequenzen sind nicht mehr möglich, doch die Erkenntnisse bringen nach Jahrzehnten endlich Klarheit über das tragische Verbrechen.