Oberstdorf droht Ärztemangel trotz aktuell guter medizinischer Versorgung
Philipp LangeOberstdorf droht Ärztemangel trotz aktuell guter medizinischer Versorgung
In Oberstdorf ist die ärztliche Versorgung zurzeit gut – doch die Stabilität bröckelt
Die Region Allgäu verfügt derzeit über eine solide medizinische Versorgung mit einer guten Mischung aus Fach- und Hausärzten. Doch diese Stabilität gerät in Gefahr: Eine Welle von Ruhestandsübergängen und Personalmangel droht in den kommenden Jahren die Situation zu verschärfen.
Immer mehr Ärzte im Allgäu nähern sich dem Ruhestand – besonders in der Hausarztmedizin. Berichte der Bayerischen Landesärztekammer aus den Jahren 2023 bis 2025 warnen vor einem sich verschärfenden Ärztemangel bis 2030, der vor allem ländliche Gebiete wie Kempten und den Oberallgäu hart treffen wird.
Einige Fachbereiche sind bereits jetzt unterbesetzt In Neurologie, Pneumologie, Psychiatrie und Kardiologie gibt es bereits unbesetzte Stellen. Besonders prekär ist die Situation in der Gastroenterologie: Zwei Internisten gehen in diesem Jahr in Rente, sodass nur noch eine Praxis und ein Krankenhaus Koloskopien durchführen können.
Nicht nur der Ruhestand ist das Problem Deutschland bildet heute weniger Mediziner aus als früher – die Zahl der Studienplätze liegt unter dem kombinierten Niveau von Alt-Bundesrepublik und ehemaliger DDR. Auch die Zuwanderung gleicht den Mangel nicht aus, da mehr Ärzte das Land verlassen als hinzukommen. Die Folge: Es gibt zu wenig Nachwuchs, um die ausscheidenden Kollegen zu ersetzen.
Zudem verschwindet das klassische Modell der Einzelpraxen allmählich. Es wird unwahrscheinlich, dass jede Gemeinde ihre Hausarztstellen besetzen kann. Patienten müssen sich möglicherweise auf längere Anfahrtswege und Wartezeiten bei bestimmten Behandlungen einstellen. Ein vorgeschlagenes Modell mit primärversorgenden Ärzten könnte Abhilfe schaffen, indem es Patienten von Anfang an zum richtigen Facharzt lenkt und so überlastete Kliniken entlastet.
Gefordert sind jetzt die Kommunen Lokale Behörden werden aufgefordert, aktiv zu werden. Günstige, gut ausgestattete Praxisräume könnten Hausärzte anlocken und halten – und so einen Teil des Drucks vom System nehmen.
Ohne gezielte Maßnahmen wird das Allgäu in Zukunft mit weniger Ärzten, längeren Wartezeiten und eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung konfrontiert sein. Ruhestandswellen, stagnierende Ausbildungszahlen und Rekrutierungsprobleme werden die Krise verschärfen – besonders in ländlichen und unterversorgten Regionen.