07 February 2026, 02:24

Schneller fließendes Grundwasser gefährdet Trinkwasserversorgung bei geplanter Gasbohrung in Reichling

Ein Metall-Schachtobel auf dem Boden mit der Aufschrift "Gas Test".

Schneller fließendes Grundwasser gefährdet Trinkwasserversorgung bei geplanter Gasbohrung in Reichling

Neue Erkenntnisse zeigen, dass das Grundwasser in der Nähe einer potenziellen Gasbohrstelle in Reichling deutlich schneller fließt als bisher angenommen. Diese Entdeckung wirft Fragen auf, wie schnell Schadstoffe die lokale Trinkwasserversorgung erreichen könnten. Behörden warnen nun, dass die Reaktionszeiten im Notfall dringend überarbeitet werden müssten.

Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim stieß bei der Überprüfung bestehender Unterlagen auf die aktualisierten Fließgeschwindigkeiten. Die Analyse ergibt, dass sich das Grundwasser mindestens dreimal schneller bewegen kann als frühere Schätzungen nahelegten. In einem Schreiben an die Behörde hoben Beamte hervor, dass sich das bisher angenommene Zeitfenster von einem Jahr für Gegenmaßnahmen bei Kontaminationsgefahren nun auf wenige Monate verkürzen könnte.

Die höhere Fließgeschwindigkeit bedeutet, dass bei Beginn der Gasförderung Schadstoffe deutlich früher als geplant in Richtung der Trinkwasserquellen vordringen können. Laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) könnten Verunreinigungen je nach lokalen hydrogeologischen Bedingungen bereits in 10 bis 20 Jahren die Versorgung erreichen – ein Widerspruch zu früheren Annahmen, die längere Reaktionszeiten zuließen.

Unterdessen steht das Bohrunternehmen in der Kritik, weil es Sicherheitsvorschriften nicht einhält. Das Wasserwirtschaftsamt wirft dem Unternehmen vor, Anforderungen systematisch zu ignorieren, darunter die wiederholte Vorlagepflicht wichtiger Prüfberichte. Diese Berichte sind entscheidend für den Schutz der Trinkwasserversorgung.

Auch bei den Anwohnern wächst die Sorge. Die Bürgerinitiative Reichling-Ludenhausen erwartet, dass das Unternehmen bald einen Antrag auf Fördergenehmigung stellen wird. Bei einer Bewilligung könnte die Gasförderung in naher Zukunft beginnen.

Die neuen Grundwasserdaten zwingen die Behörden, ihre Notfallpläne für mögliche Kontaminationen zu überdenken. Bei den höheren Fließgeschwindigkeiten könnten die Reaktionszeiten von einem Jahr auf wenige Monate schrumpfen. Die Situation erhöht den Druck auf die Aufsichtsbehörden, vor Beginn etwaiger Bohrarbeiten strengere Kontrollen sicherzustellen.