02 February 2026, 04:16

Söders Arbeitszeit-Debatte spaltet Politik und Wirtschaft in Deutschland

Ein detaillierter Grundrissplan des ehemaligen Arbeitszimmers des deutschen Bundeskanzlers, der den Aufbau des Gebäudes mit verschiedenen Räumen und Textanmerkungen zeigt.

CDU-Arbeiter warnt vor 'Liste' in der Sozialdebatte - Söders Arbeitszeit-Debatte spaltet Politik und Wirtschaft in Deutschland

Ein Vorschlag des CSU-Vorsitzenden Markus Söder, die wöchentliche Arbeitszeit um eine Stunde zu verlängern, hat in Deutschland eine hitzige Debatte ausgelöst. Die Idee, die Söder in einem ARD-Interview in Berlin vorbrachte, zielt darauf ab, die Wirtschaft des Landes zu stärken – doch seit Ende Januar 2026 stößt sie bei Politikern, Ökonomen und der Bevölkerung auf geteilte Reaktionen. Gleichzeitig haben sich in den vergangenen Wochen die Diskussionen über Arbeitsmarktreformen und Kürzungen bei der Sozialversicherung weiter zugespitzt.

Söders Plan, die Wochenarbeitszeit auszuweiten, steht im Zusammenhang mit seiner Unterstützung für die Vorhaben von Bundeskanzler Friedrich Merz. Dazu gehören die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung sowie die schrittweise Beendigung der Rente mit 63. Der Vorschlag spaltete sofort die Meinungen, wobei Ökonomen unterschiedliche Prognosen abgaben.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Veronika Grimm schätzte, dass allein zwei zusätzliche Arbeitstage im Jahr 2026 das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,3 Prozent – etwa 13 Milliarden Euro – steigern könnten. Gunther Schnabl, ein weiterer Experte, ging von einem weitaus größeren Effekt aus: Ein Wachstum von über 2 Prozent, was rund 80 Milliarden Euro entspreche. Doch die politischen Reaktionen fielen prompt und kritisch aus. Noch am 26. Januar 2026 lehnte Söder selbst einen Vorstoß aus den eigenen Reihen ab, der gesetzliche Ansprüche auf Teilzeitarbeit streichen wollte, und plädierte stattdessen für Steueranreize. Der CDU-Politiker Schnieder bezeichnete die Idee der zusätzlichen Stunde als "Schnapsidee", während der SPD-Abgeordnete Schweitzer flexible Arbeitszeitmodelle forderte.

Die Debatte weitete sich aus, als der Wirtschaftsflügel der CDU, die MIT, weitere Kürzungen vorschlug. Dazu zählen Einschnitte bei den Sozialversicherungsleistungen sowie die Streichung der öffentlichen Zuschüsse für Zahnbehandlungen. Die SPD-Arbeitsmarktexpertin Cansel Kiziltepe verurteilte diese Pläne scharf und warnte, sie würden den Druck auf Beschäftigte erhöhen und gleichzeitig Schutzmechanismen aushöhlen. Dennis Radtke, Vorsitzender der CDU-Arbeitnehmergruppe (CDA), mahnte, man dürfe die Wähler nicht mit einseitigen Sozialkürzungen verprellen.

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Janosch Dahmen, sprach sich gegen die Streichung der Zahnleistungen aus. Solche Maßnahmen würden die öffentliche Gesundheit gefährden und am Ende sogar der Wirtschaft schaden, argumentierte er.

Die Vorschläge haben die Themen Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarktreformen in den Mittelpunkt der politischen Diskussion gerückt. Während einige Ökonomen in längeren Arbeitszeiten wirtschaftliche Chancen sehen, warnen Kritiker vor negativen Folgen für Beschäftigte und öffentliche Dienstleistungen. Im Kern geht es nun darum, wirtschaftliche Erfordernisse mit sozialem Schutz in Einklang zu bringen – während die Parteien gleichzeitig die Stimmung in der Wählerschaft im Blick behalten, bevor über weitere Schritte entschieden wird.