26 January 2026, 12:41

Streit um Hochhaus in München: Denkmalschutz vs. Glas-Stahl-Turm auf NS-belastetem Fabrikgelände

Ein alter Stadtplan von München, Deutschland, auf einem schwarzen Hintergrund, der Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten mit zusätzlichen Informationen zeigt.

Streit um Hochhaus in München: Denkmalschutz vs. Glas-Stahl-Turm auf NS-belastetem Fabrikgelände

Ein geplanter Hochhausneubau im Münchner Stadtteil Schwabing-Freimann hat eine Debatte über Denkmalschutz und Modernisierung entfacht. Das Projekt sieht einen zwölbstöckigen, geschwungenen Turm vor, entworfen vom Architekturbüro OSA, der auf dem Gelände einer ehemaligen Lederfabrik mit dunkler Vergangenheit entstehen soll. Lokale Politiker und Denkmalschützer sind uneins, ob der Bau realisiert werden sollte.

Die Fabrik in der Isarring 11 gehörte einst Ilse Hesselberger, die 1941 deportiert und ermordet wurde. Zuvor hatten die Nationalsozialisten das Gebäude 1939 als sogenannte "Ausbildungsstätte für jüdische Jugendliche" genutzt – eine historische Belastung, die die Pläne für die Neubebauung besonders sensibel macht.

Der OSA-Entwurf sieht ein Glas-Stahl-Hochhaus vor, das auf dem alten Backsteingebäude der Fabrik thront, die Teil des Münchner Mittleren Rings ist. Während der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann und die Münchner Gestaltungsbeirat den Hochhausstandort grundsätzlich befürworten, lehnen Denkmalschützer den aktuellen Vorschlag ab. Ihre Bedenken gelten dem Erhalt der historischen Bausubstanz, die sowohl mit der Industriegeschichte als auch mit der NS-Verfolgung verbunden ist.

Bisher hat keine offizielle Architektengruppe einen Alternativentwurf für das Gelände vorgelegt. Allerdings schlug Architekt Fabian Ochs vor, das Hochhaus neben der denkmalgeschützten Fabrik zu errichten – statt darauf. Dieser Ansatz könnte die Spannungen zwischen Bauvorhaben und Denkmalschutz entschärfen. An anderer Stelle in München entstehen derweil zwei Neubauten – ein Hotel und ein Boardinghouse – in der Nähe des ehemaligen Siemens-Hochhauses in Obersendling. Gleichzeitig treibt der geplante Apple-Campus Modernisierungsarbeiten an einer Fußgängerpassage entlang der Nymphenburger Straße voran, die vom Architekturbüro Henn geleitet werden.

Kritik gibt es auch an anderen Aspekten der Planung: Die Architekturprofessorin Elisabeth Endres hinterfragte die Logik, einen Kindergarten im Keller und ein Fitnessstudio in den oberen Stockwerken eines Neubaus unterzubringen. Sie argumentiert, dass künftige Generationen besseren Zugang zu Tageslicht verdienen. Die Baureferentin Elisabeth Merk hat nun angekündigt, mit der Israelitischen Kultusgemeinde, politischen Vertretern und Denkmalschutzexperten nach einer ausgewogenen Lösung für das umstrittene Hochhaus zu suchen.

Das Schicksal des Bauprojekts bleibt ungewiss, während die Diskussionen zwischen Investoren, Politikern und Denkmalschützern andauern. Jede endgültige Entscheidung muss sowohl die historische Bedeutung des Ortes als auch Münchens städtisches Wachstum berücksichtigen. Das Ergebnis könnte richtungsweisend dafür sein, wie die Stadt künftig mit ähnlichen Konflikten zwischen Erinnerung und Modernisierung umgeht.