Zwei Güterzug-Entgleisungen: Warum Warnungen vor Rissen in Rädern ignoriert wurden
Philipp LangeZwei Güterzug-Entgleisungen: Warum Warnungen vor Rissen in Rädern ignoriert wurden
Zwei Güterzugentgleisungen in Deutschland in diesem Winter haben ernste Bedenken hinsichtlich der Sicherheit in der Bahnbranche aufgeworfen. Beide Vorfälle wurden durch gebrochene Räder verursacht – doch Experten hatten bereits vor über einem Jahr vor solchen Schäden gewarnt. Trotz der Risiken wurden bis heute keine wirksamen Maßnahmen ergriffen, um weitere Unfälle zu verhindern.
Die erste Entgleisung ereignete sich in Elze, Niedersachsen, wo ein Güterzug aufgrund eines gebrochenen Rads von den Schienen sprang. Der Vorfall verursachte erhebliche Schäden an der Strecke und verzeichnete Reparaturkosten in Millionenhöhe. Nur wenige Wochen später kam es in Raubling, Bayern, zu einer zweiten Entgleisung – diesmal bei einem Zug, der hochentzündliches und giftiges Ethylenoxid transportierte.
Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) hatte bereits zuvor auf systematische Risse in den Rädern von Güterwaggons hingewiesen, die zu Brüchen führen können. Dennoch fehlen in Europa weiterhin verbindliche Vorschriften für regelmäßige Kontrollen. Die aktuellen Regelungen sehen Prüfungen erst alle 660.000 Kilometer oder alle acht Jahre vor.
Die Schweiz hatte sich für strengere Kontrollen eingesetzt, doch der Vorstoß wurde nach Protesten der größten Waggoneigentümer Europas vorerst gestoppt. Der Verkehrsexperte Peter Füglistaler warnt, dass ohne verpflichtende Inspektionen das Risiko einer schweren Katastrophe weiterhin hoch bleibe. Beide jüngsten Entgleisungen endeten zwar ohne Verletzte oder Tote, doch Beamte geben zu, dass dies eher Glück als wirksamen Sicherheitsvorkehrungen zu verdanken war.
Die Güterwagenbranche wird weitgehend von Investoren dominiert, die hohe Gewinne anstreben – was Kritiker als potenziellen Konflikt mit Sicherheitserfordernissen sehen. Obwohl Experten immer wieder zu Maßnahmen aufgerufen haben, wurden bisher keine konkreten Schritte eingeleitet, um das Problem zu lösen.
Die beiden Entgleisungen offenbaren Lücken in den europäischen Bahnsicherheitsvorschriften. Ohne strengere Inspektionsregeln bleibt das Risiko weiterer Unfälle bestehen. Die Behörden haben bisher keine Änderungen umgesetzt, sodass das System anfällig für künftige Pannen bleibt.